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    28.11.2011 

    Zeitlos 4/2011: Achterbahn fahren ist gesund

    In der Trauer pendelt die Seele zwischen Hochs und Tiefs

    Betroffene beschreiben ihre Verfassung nach dem Tod eines Menschen, der ihnen viel bedeutet hat, häufig als Achterbahnfahrt. Sie erleben ein teilweise für sie selbst überraschendes Auf und Ab ihrer psychischen Verfassung, ein Pendeln zwischen emotional ruhigen Momenten und emotionalen Tiefs. Mal können sie entspannt einen Kinofilm genießen, dann schlägt die Erinnerung an den Verstorbenen wieder durch, ausgelöst vielleicht nur durch einen flüchtigen Gedanken.

    Die Vorstellung, dass Trauer in einer geordneten Abfolge von Phasen verläuft (erst ein Schockzustand, dann das Aufbrechen der Gefühle, hinterher das Loslassen und dann das Neuausrichten) entspricht nicht dem, was Trauernde von Tag zu Tag erleben.
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    Susanne, 36, ihre Mutter starb vor vier Jahren:
    "Wenn ich jetzt, so quasi aus der Vogelperspektive, auf die letzten Jahre zurückschaue, dann kann ich natürlich schon sehen, dass die ersten Wochen anders waren als die Zeit nach einem Vierteljahr, nach einem Jahr usw. Aber als ich drinsteckte, da hat mich diese Vorstellung von Trauerphasen verrückt gemacht: An einem Tag habe ich gedacht "Aha, jetzt hast du's geschafft, diese Phase hast du hinter dir!" und am nächsten Tag fühlte es sich dann wie ein Rückfall an, wenn es mir doch wieder schlecht ging. Aus meiner Erfahrung kann ich Trauernden nur raten: Stellt euch auf ein ständiges Hin und Hier, auf "drei Schritte vor und einer zurück" ein - das ist ganz normal!"

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    Das in Deutschland noch wenig bekannte Konzept einer niederländischen Forschungsgruppe mit dem etwas sperrigen Namen "Duales Prozessmodell der Bewältigung von Verlusten" stellt genau dieses Hin und Her in seinen Mittelpunkt. "Zeitweise werden die Trauernden mit dem Verlust konfrontiert und dann werden sie auch wieder Erinnerungen vermeiden, sich ablenken oder Entlastung darin finden, dass sie sich auf etwas anderes konzentrieren. Manchmal haben sie auch gar keine andere Wahl, als sich mit zusätzlichen Anforderungen zu beschäftigen, wie zum Beispiel den Haushalt zu erledigen oder Geld zu verdienen", schreiben die Wissenschaftler. Sie nennen dieses Hin und Her Oszillation oder Pendelbewegung und gehen davon aus, "dass diese Pendelbewegungen im zeitlichen Verlauf wichtig sind für die optimale Anpassung an die Situation".

    Dabei sollte man sich jedoch kein echtes Pendel vorstellen, das in gleichförmiger Regelmäßigkeit hin und her schwingt. Besser passt das Bild einer Achterbahn oder eines unregelmäßigen Zickzacks. Für die individuelle Situation eines jeden Trauernden sind viele Faktoren und Einflüsse verantwortlich und diese verändern sich im Laufe der Zeit.

    Problematisch wird es, wenn Trauernden dieses Pendeln nicht gelingt: wenn sie beispielsweise über Wochen und Monate nicht in der Lage sind, schmerzhafte Gefühle für einige Zeit beiseite zu schieben. Oder wenn sie sich ganz auf ihre Arbeit und die Bewältigung des Alltags konzentrieren und sich keine Zeit nehmen oder nehmen können, um den Verlust zu betrauern.

    Die beruhigende Botschaft: Trauernde sind auf einem guten Weg, wenn sich ihre innere Verfassung immer wieder ändert und Gefühle in Wellen kommen und wieder gehen können. Diese Art von Achterbahnfahren ist vielleicht ungewohnt, anstrengend und nicht gerade angenehm, aber es ist ein normaler, gesunder, ja sogar notwendiger Prozess.

    Diesen Text finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Aeternitas-Verienzeitschrift ZEITLOS - neben Aktuellen Meldungen aus dem Friedhofs- und Bestattungswesen, dem Neuesten aus der Aeternitas-Vereinsarbeit, Gesundheits- und Reisetipps und einem Gewinnspiel. Als Schwerpunkt widmet sich die aktuelle Ausgabe dem Thema Pflege im Alter.

    Aeternitas-Mitglieder bekommen die ZEITLOS kostenfrei zugeschickt. Sie können ein Probeexemplar der Zeitschrift aber auch   bei Aeternitas bestellen.

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