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Körperspenden in der Medizin: Tote für das Leben

Leichname dienen der Ausbildung und Forschung | | 0 Kommentare |


Die Körperspende ist einer Alternative zu der klassischen Bestattung. Dabei stellen Menschen ihren Leichnam der Wissenschaft zur Verfügung. Diese Spenden werden in der medizinischen Aus- und Weiterbildung sowie in der Forschung benötigt. Doch immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Körperspende.

Braun-graue Körper liegen auf Metalltischen. Angehende Mediziner und gestandene Ärzte stehen in weißen Kitteln um einen Tisch herum, ausgerüstet mit Skalpellen und Pinzetten. Operiert wird nicht ein Patient, sondern es wird an toten Körpern geübt. "Ich bewundere die Körperspender für ihre Entscheidung. Für uns ist es unglaublich wichtig, dass wir an ihnen üben können", sagt Dr. Fridtjof Trommer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des Luisenhospitals Aachen. "Die Körperspende hilft, die Lehre und die anatomischen Kenntnisse von Studenten und Ärzten zu verbessern. Sie können neue Operationstechniken an einem Leichnam üben, was das Risiko bei einem echten operativen Eingriff deutlich verringert." Der Vorteil einer Körperspende sei insbesondere die realitätsnahe Ausbildung. Außerdem könnten mithilfe der Spenden neue Operationstechniken und Instrumente entwickelt werden, die schonender für den Patienten seien. "Wir sind dankbar, dass sich Menschen dazu zur Verfügung stellen. Doch leider sind immer weniger Menschen dazu bereit, ihren toten Körper der Wissenschaft zu spenden", bedauert der Mediziner. Und von den wenigen würden viele, oft, ohne dass es ihnen wirklich bewusst sei, ihre Körper pseudowissenschaftlichen Zwecken überlassen.

Jeder erwartet heute im Bedarfsfall optimale medizinische Betreuung. Oft zählt jede Sekunde. Nur gute Ausbildung, ständige Übung und Weiterbildung kann weiterhelfen. Immer anspruchsvollere Medizin erfordert deshalb praktische Aus- und Weiterbildung nicht nur an Puppen, an Plastinaten oder in der Theorie. Anatomische Übung an menschlichen Präparaten biete hierzu Möglichkeiten. "All diese Erfahrungen, die bei der anatomischen Präparation gewonnen werden, helfen dem Arzt, das Leben eines anderen Patienten zu retten", weiß auch Dr. med. Dirk Schuster, Facharzt für Anatomie und Geschäftsführer der vor sechs Jahren am Krankenhaus Düren gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft Cenosura.

Cenosura bemüht sich um Körperspenden und bereitet diese anatomisch vor. Das Körperspendezentrum versteht sich als Ergänzung zu den universitären anatomischen Instituten. Die Cenosura nimmt Körperspenden vorrangig aus ganz Nordrhein-Westfalen an - auch nach erfolgter Organ- und Gewebespende. "Ziel des Körperspendezentrums ist es", so Schuster, "den Bedarf an Präparaten ausschließlich für die ärztliche Fort- und Weiterbildung sowie für Forschungszwecke zu sichern."

"Kein Buch der Welt wird mir je beibringen können, was ich von toten menschlichen Körpern gelernt habe. Komplizierte Namen von Körperteilen auswendig zu lernen ersetzt nicht die Eindrücke, die ich mit meinen Händen und meinen Augen sammle. Und vor allem einen Eindruck nicht: Dass Menschen individuell sind und lange nicht so perfekt aussehen wie eine Abbildung in einem Lehrbuch", betont Dr. Trommer und hofft, dass sich noch mehr Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen und ihre Körper nach dem Ableben der Medizin zur Verfügung stellen.

Übrigens werden auch diejenigen, die Ihren Körper der Wissenschaft überlassen haben, nach einem gewissen Zeitraum bestattet. Die Regelungen dazu sind von Institut zu Institut verschieden, auch was die Frage der Kosten betrifft.

Weitere Informationen zur Körperspende und eine Liste mit Instituten, die in Deutschland Körperspenden annehmen, finden Sie  hier auf unserer Webseite.

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