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Geschichte und Zahlen

Kremation/Geschichte
Seit der Frühgeschichte - bis zum Durchbruch des Christentums im Römischen Reich unter Kaiser Konstantin - entwickelten sich die Erd- und die Feuerbestattung parallel - je nach Region war die eine oder die andere die bestimmende Bestattungsform. Das frühe Christentum verlangte jedoch ebenso wie das Judentum und später der Islam einen intakten Leib für die Bestattung, um das Weiterleben von Körper und Seele als Einheit auch im Jenseits zu gewährleisten.

Dennoch wurde die Feuerbestattung auch in den christlichen Gebieten weiter praktiziert, bis Karl der Große im Jahre 789 per Dekret einheitlich für sein Reich die Feuerbestattung verbot. Einzige "ehrbare" Bestattungsform für den wahren Christen wurde die Erdbestattung auf dem Friedhof.

Erst im 19. Jahrhundert wurde das Thema in Europa wieder aktuell. Die sich rasch vermehrende Bevölkerung und das gleichzeitig wachsende Wissen um Hygiene und Krankheitserreger führten zu der Frage nach einer hygienisch sicheren Beseitigung von Leichnamen.

Auf der Weltausstellung 1873 in Wien präsentierte der Paduaer Professor Brunetti die erste Feuerbestattungsanlage. Sie fand in den meisten europäischen Ländern großes Interesse. 1876 schließlich eröffnete in Mailand das erste Krematorium, 1878 in Gotha das erste Krematorium auf deutschem Boden. Finanziert wurde es, wie die meisten folgenden Krematorien, von privaten Feuerbestattungsvereinen, in denen sich das fortschrittliche Bürgertum der Stadt engagierte.

Die christlichen Kirchen stellten sich gegen die Feuerbestattungsvereine. Die evangelische Kirche zeigte eine ablehnende Haltung, die katholische Kirche erließ 1886 ein Verbot der Feuerbestattung.

Die Zahl der Einäscherungen stieg in der Folgezeit nur langsam an. Um 1900 gab es erst drei Krematorien in Deutschland. Der Anteil der Einäscherungen lag im Promillebereich.

Die Popularisierung in der Arbeiterschaft brachte in den 1920er Jahren den Durchbruch der Feuerbestattung. Eine Rolle spielte dabei die Angst vor Inflation und Wirtschaftskrisen und daraus resultierend die fehlende Möglichkeit einer würdigen Bestattung. Die zunehmende Akzeptanz der Feuerbestattung war darüber hinaus auch Ausdruck eines zunehmenden technokratischen Verständnisses und einer weit verbreiteten Fortschrittsgläubigkeit.

Der Anteil der Feuerbestattungen im Deutschen Reich stieg von 1,8 Prozent im Jahr 1920 auf 7,5 Prozent im Jahr 1930. In diese Prozentsätze gehen alle Regionen des Landes ein, inklusive der traditionellen ländlichen Gebiete. In den Großstädten war der Zuspruch weitaus größer. Die Zahl der Krematorien in der Weimarer Republik stieg von 53 im Jahr 1920 auf 102 im Jahr 1930.

In der Bundesrepublik Deutschland betrug der Anteil der Feuerbestattungen 1960 10,4 Prozent, 1992 aber schon 27,6 Prozent (Ausfürlich dazu und zu den Entwicklungen in der Weimarer Rebublik: Norbert Fischer: "Vom Gottesacker zum Krematorium - eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland").

Die Evangelische Kirche hatte schon 1920 ihren Widerstand aufgegeben. Die Katholische Kirche erkannte erst mit dem zweiten vatikanischen Konzil im Jahre 1963 die Feuerbestattung als gleichwertig zur Erdbestattung an, auch wenn Katholiken weiterhin eher eine Erdbestattung empfohlen wird. Nach wie vor ist der Anteil der Feuerbestattung in protestantisch geprägten Regionen höher als in katholisch geprägten.

Seit den 1990er Jahren ist die Feuerbestattung weiter auf dem Vormarsch. Die folgende Tabelle zeigt die Anteile der Bestattungsformen in Deutschland (zum Teil handelt es sich dabei um Schätzungen von Experten, da keine gesicherten Daten vorlagen):

Jahr Feuerbestattung Erdbestattung
1960* 10 % 90 %
1970* 14 % 86 %
1980* 18 % 82 %
1992 28 % 72 %
1999 40 % 60 %
2011 55 % 45 %
2014 60 % 40 %
* nur Westdeutschland

Heutzutage wird deutlich mehr als die Hälfte der Verstorbenen in Deutschland eingeäschert - bei steigender Tendenz. Der Anteil an Feuerbestattungen ist im Norden und Osten des Landes und in Großstädten höher als im Süden und Westen und in ländlichen Gebieten. Ungefähr 160 Krematorien bieten ihre Dienste an, wovon fast die Hälfte von privater Hand betrieben wird.

Die Beisetzungsmöglichkeiten für Urnen bzw. Totenasche sind vor allem in den letzten zehn bis 20 Jahren vielfältiger geworden. Die Beisetzung in Form von Asche erlaubt eine weit reichende Mobilität auch nach dem Tod. Der freie Umgang mit der Urne durch die Angehörigen ist in Deutschland nicht erlaubt, es herrscht Friedhofszwang. Im Ausland gibt es jedoch häufig weitaus liberale Regelungen..

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