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Reinhard Feldkamp, ehemaliger Betreiber eines Tierfriedhofes und langjähriger Vorsitzender des Bundesverbandes der Tierbestatter (BVT)

Aus der Praxis 

Reinhard Feldkamp Über viele Jahre war Reinhard Feldkamp als Tierbestatter und Betreiber eines Tierfriedhofes in Berlin Tempelhof tätig. Als langjähriger Vorsitzender des  Bundesverbandes der Tierbestatter e.V. hat sich Feldkamp in der Öffentklichkeit einen guten Ruf als Fachmann für Tierbestattungsfragen erabeitet.

 
1.) Sie waren viele Jahre Vorsitzender des Verbandes der Tierbestatter in Deutschland und kennen die Szene sehr gut. Wie viele Tierbestatter gibt es in Deutschland etwa?

Feldkamp: Die Gesamtzahl dürfte unter Einbeziehung der Unternehmen, die nicht im BVT organisiert sind, inzwischen bei etwa 200 liegen.

2.) Ist für die Ausübung des Berufes eine Ausbildung erforderlich?

Feldkamp: Die Ausübung einer Tätigkeit als Tierbestatter ist kein Ausbildungsberuf. Auch wird kein Sachkundenachweis verlangt. In einigen Bundesländern ist die persönliche Zuverlässigkeit durch ein amtliches Führungszeugnis zu belegen.
Ganz anderes bei den Räumlichkeiten und Fahrzeugen. Da die Zuständigkeit hierfür bei den Veterinärämtern der Landkreise/Städte liegt, sind auch die Zulassungsbedingungen nicht einheitlich. Generell läßt sich aber festhalten, daß mit Rücksicht auf die von der Aufbewahrung und dem Transport ausgehende Seuchengefahr in der Regel hohe Standards bei der Zulassung gefordert werden - geflieste Räume, gekühlte Aufbewahrungsboxen, Aufnahme des kontaminierten Abwassers, Reinigung der Transportbehälter und Fahrzeuge.

3.) Welche Tiere kann man in Deutschland überhaupt bestatten lassen?

Feldkamp: Alles was unter dem Begriff "Haustier" einzuordnen ist, d.h. Hunde, Katzen, Nager, Vögel und dergleichen. Das gilt sowohl für Einäscherungen in Tierkrematorien als auch für Bestattung auf Tierfriedhöfen oder privaten Grundstücken.
Laut einem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts von Anfang 2016 soll demnächst auch die Einäscherung von Pferden möglich sein. (Die Einäscherung eines Pferdes ist nun nach vorheriger Zustimmung durch die zuständige Behörde, in der Regel Bezirksregierung oder Kreisordnungsbehörde, auch in Deutschland erlaubt. Die Gesetzesänderung trat im Februar 2017 in Kraft. Anm. der Redaktion)

4.) Welche Arten von Kosten entstehen bei der Tierbestattung durch einen Bestatter?

Feldkamp: Die Kosten der Tierbestattung sind sehr unheitlich. Ich habe in meinem Betrieb eine kaufmännische Kostenkalkulation auf der Grundlage betriebswirtschaflicher Daten (Bilanz, G & V, getrennte Kostenrechnung für Kremierung und Tierfriedhof etc.) erstellt und diese um Risikobewertungen ergänzt. Der größte Teil der Betriebskosten entfällt in der Regl auf den Personalbereich, da jede Einrichtung - will sie konkurrenzfähig sein - bei Tag und Nacht erreichbar sein muss.
Es entstehen gegebenenfalls Kosten für die Einäscherung in einem Tierkrematorium. In der Regel richtet sich der Preis der Kremation nach dem Gewicht des Tieres und danach, ob es sich um eine Einzel- oder eine Sammeleinäscherung handelt. Preise varierieren so für eine Hunde- oder Katzenkremation zwischen etwa 30,- und 350,- Euro. Dazu kommt noch eine Urne für die Asche. Je nach Ausführung zwischen 20,- und 150,- Euro.
Die Preise für das Reihengrab auf einem Tierfriedhof variieren je nach Anbieter und Region. Normalerweise liegen die Kosten in einem Rahmen von etwa 300,- bis 1.000,- Euro für 4 Jahre Laufzeit, abhängig von der Größe des Tieres und - damit verbunden - von der Größe der Grabfläche. Eventuell entstehen noch Kosten für einen Tiersarg und Überführungskosten. Die Bestattungskosten bewegen sich zwischen 50,- und 300 Euro. Je nach Kundenwunsch können noch Kosten für Grabmal und Grabpflege hinzukommen.

5.) Führen Tierbestatter auch eine Tierbestattung auf dem privaten Gelände des Tierbesitzers durch?

Feldkamp: Tierbestattungen durch Bestatter auf Privatgrundstücken sind rechtlich möglich, aber sehr selten. Mir sind aus meiner mehrjährigen Praxis drei Fälle in Erinnerung.

6.) Kann ich beim Tierbestatter Bestattungsprodukte wie etwa einen Tiersarg kaufen, den ich dann privat bei der Bestattung meines Tieres im eigenen Garten verwende?

Feldkamp: Der Verkauf von Bestattungsprodukten wie Särgen, Skulpturen, Vasen, Grablichtern u.ä. wird in allen einschlägigen Bestattungsunternehmen angeboten, weil hieran besonders gut verdient wird - günstiger Einkauf/hohe Handelsspanne.

7.) Wie werden die Transporte der verstorbenen Tiere zu den Krematorien vom Tierbestatter organisiert?

Feldkamp: Der Transport ins Krematorium ist nur unter Einsatz hierfür vom Veterinäramt zugelassener Fahrzeuge erlaubt. Diese müssen bei längeren Fahrten über Kühlmöglichkeiten verfügen und sich leicht reinigen und entkontaminieren lassen. Ich habe meine Tiere in der Regel in einem gefrorenen Zustand befördert und außerdem ein Kühlaggregat zugeschaltet. Die Transporte müssen über Transportbegleitpapiere verfügen, wovon für jede Fahrt das zuständige Veterinäramt eine Kopie erhält. Diese enthalten lückenlose Angaben über Herkunft, Tierart, Tierbesitzer, Dauer der Zwischenlagerung und dergleichen. Ein Verstoß hiergegen kann den Entzug der Konzession zur Folge haben.

8.) In der Humanbestattung erleben wir mit der Zunahme von Kremationen eine Zunahme neuer Bestattungsangebote wie Ascheverstreuung, Bestattungswälder, Diamanten und Amulette. Gibt es bei der Tierbestattung Parallelen?

Feldkamp: Hier gibt es durchaus Parallelen zur Humanbestattung, wobei der Tierbesitzer - anders als bei der Humankremierung - frei über die Asche verfügen kann. Viele Tierbesitzer möchten die Asche in einer Urne zurückbekommen und zu Hause aufbewahren oder auf dem eigenen Grundstück bestatten. Auch die aus der Asche hergestellten Diamanten erfreuten sich zunehmender Beliebtheit, wobei allein der Kostenaufwand hierfür Grenzen setzt. Einige Tierfriedhöfe und Krematorien bieten Wiesen oder Waldparzellen an, wo die Asche des verstorbenen Haustieres verstreut werden kann. Auch Seebestattungen kamen bereits vor Jahren "in Mode".

9.) Nun entstehen erste Friedhofsabteilungen für die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier. Wie stehen Tierbestatter zu dieser Entwicklung?

Feldkamp: Die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier in einer Grabstelle wird von vielen Tierbesitzern und Bestattungsunternehmen begrüßt, stößt jedoch bei Teilen unserer Gesellschaft nach wie vor auf Ablehnung. Zu meiner Zeit wurde das Thema in den Gremien des BVT diskutiert und zustimmend unterstützt.

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