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Tipps für die Praxis

Ruhe und E-Mails bewahren 

Für den Fall des eigenen Ablebens sollte man den Erben oder einer Vertrauensperson vorsorglich eine Liste von Zugangsdaten für Online-Dienste und geschützte Bereiche auf dem PC zur Verfügung stellen. Ansonsten könnte der Umgang mit dem digitalen Nachlass kompliziert werden. Wissen die Angehörigen, welche Online-Dienste der Verstorbene genutzt hat, können sie direkt mit den Anbietern in Kontakt treten.

Wenn keine Zugangsdaten vorliegen, gibt es bei den meisten Anbietern noch die Möglichkeit, über Vorlage des Erbscheins  und der Sterbeurkunde  an die Daten des Verstorbenen zu gelangen. Jedoch verweigern einige Anbieter den Zugriff mit dem Argument, das Persönlichkeitsrecht oder das Fernmeldegeheimnis könnten verletzt werden.

Bei sogenannten "digitalen Gütern"  wie erworbenen E-Books oder Musikdateien ist vielfach bereits mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen deren Übernahme durch die Erben ausgeschlossen. Ob das rechtlich in Ordnung ist, ist noch nicht abschließend geklärt (Stand: 01/2017).

In "Facebook"  beispielsweise kann zu Lebzeiten ein Nachlassverwalter bestimmt werden, der Posts und Bilder archivieren kann. Private Nachrichten sind vom Nachlassverwalter jedoch nicht einzusehen.

Einige Unternehmen wie etwa "Google"  geben ihren Nutzern die Möglichkeit, zu Lebzeiten eine Art "Inaktivitätsmanager" anzulegen. Sollten über eine bestimmte Dauer keine Aktivitäten auf dem eigenen Benutzerkonto zu erkennen sein, so wird dann das Konto automatisch durch den Anbieter gelöscht.

Auch die Einrichtung eines Testaments über den digitalen Nachlass kann eine sinnvolle Vorsorgemaßnahme sein. Hier kann der Internetnutzer z.B. Verfügungen treffen, welche Daten zu löschen, zu archivieren oder welche Inhalte vor seinen Angehörigen zu verbergen sind.

Es gibt Firmen, die sich auf die Verwaltung von digitalem Nachlass und das Auffinden von digitalen Spuren eines Verstorbenen spezialisiert haben. In der Regel wird man einen Bestatter mit der Einbeziehung eines solchen Unternehmens beauftragen. Der gut informierte Bestatter wird über Anbieter Auskunft geben können. Die Kosten, die mit der Dienstleistung "Verwaltung des digitalen Nachlasses" verbunden sind, werden vom Bestattungsunternehmen in Rechnung gestellt. Derzeit sind die Angebote am Markt inhaltlich und preislich noch nicht ausreichend transparent, sodass hier zu einer gewissen Vorsicht gemahnt werden muss. Digitale Nachlass-Daten können sehr persönliche Inhalte des Verstorbenen preisgeben. Daher gilt es zu überlegen, ob man Außenstehenden Zugriff auf diese Daten erlaubt. Auch ist es nicht sicher, ob die Daten nicht etwa die eine oder andere böse Überraschung für die Hinterbliebenen bereit hält, wie etwa die Mitgliedschaft des Verstorbenen in Partnertauschbörsen. Das sollte man sich im Vorfeld einer Recherche in jedem Fall klarmachen.

Löschen Sie die E-Mailkonten des Verstorbenen - wenn überhaupt - erst ganz zuletzt. Sie benötigen Zugriff auf die E-Mails  beispielsweise, um Passworte von Online-Diensten wiederherstellen zu können, und gegebenenfalls, um Abbuchungsankündigungen, Vertragsänderungen und Rechnungen einsehen zu können oder um Kündigungen zu bestätigen.

Kontakte bei sozialen Medien oder im E-Mail-Adressverzeichnis können Hinweise darauf geben, wer vom Tod des Verstorbenen informiert werden muss. Dabei sollte auch Das Smartphone/Handy betrachtet werden. Viele Kontakte ergeben sich neben dem Telefonbuch auch über Smartphone-Dienste wie etwa die Messengerdienste "Whatsapp" , "Telegram"  und Co.

Klar, dass man zunächst die wichtigsten Internet-Suchmaschinen mit dem Namen des Verstorbenen füttert, um digitale Spuren des Verstorbenen zu finden. Probieren Sie auch eventuell markante Spitznamen aus. Browserverläufe auf dem Rechner des Verstorbenen zeigen an, welche Websites der Verstorbene besucht hat. Das gilt auch für Eingaben, die durch Autovervollständigung automatisch ergänzt werden. Eventuell ergeben sich hier bereits Hinweise auf Beziehungen zu Internetverkaufs- oder Versteigerungsplattformen oder Mitgliedschaften zu sozialen Netzwerken. Auch Apps und installierte Programme geben Auskunft über die digitalen Aktivitäten des Verstorbenen. Je nachdem, wie der private Router  konfiguriert wurde, enthält auch dieser Listen mit besuchten Seiten.

Lesenswert: www.test.de: "Digitaler Nachlass - Wie Sie Ihren Erben das Leben leichter machen" 

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