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Wo liegt der digitale Nachlass?

Orte, an denen man fündig werden kann 

USB-Stick: Viel Speicherplatz auf kleinstem Raum

1.) Im privaten, häuslichen Bereich
a.) Externe Speichermedien
Überall dort, wo man digitale Daten abspeichern kann, ist ein potentieller Ort, an dem digitaler Nachlass vermutet werden kann. Wer danach sucht, wird voraussichtlich bereits im Wohnumfeld des Verstorbenen fündig: CDs, DVDs, externe Festplatten, Speichersticks- und karten oder alte Disketten finden sich in Schubladen oder Regalen, in Kisten oder Wäschekörben etc. Hier sind auch wichtige Backups mit privaten Daten, beispielsweise der Lohnsteuersoftware oder Details zur Hausfinanzierung usw. zu vermuten.

b.) Hardware/Geräte
PCs, Tablets, Notebooks, Digitalkameras und Smartphones beherbergen mit ihrem großen Speicherangebot oftmals bereits einen Großteil des persönlichen, digitalen Schatzes des Verstorbenen. Vielfach sind die persönlichen Daten bei diesen Geräten nicht strikt von den Anwendungen getrennt, was die Suche nach ihnen ungemein erschwert. Neu hinzu kommen allmählich die digitalisierten Geräte des alltäglichen Lebens, wie etwa TV-Geräte, Uhren, Fahrzeuge uvm. - Produkte, die sich unter dem Stichwort "Smart Home"  oder im Bereich "IOT"  erfolgreich im Markt der Zukunft platzieren wollen.

2.) Im privat-öffentlichen Bereich "Internet"
a.) E-Mail
Für Viele ist der Ort des E-Mail-Checkens vor allem das Handy oder der heimischer Rechner. Kaum etwas deutet mehr darauf hin, dass E-Mail ein traditioneller Internetdienst ist. Je nach Mailprotokoll verbleiben abgerufene Mails jedoch auf dem Mailserver beim Mailprovider und gehören damit nicht nur zu den Daten im häuslichen Bereich, sondern auch zu denen, die im Internet hinterlassen werden können..
E-Mailkonten sind vielfach Voraussetzung zur Erstellung, Verifizierung und Löschung von Konten bei Internetdienstleistern. Daher sollten E-Mailkonten bei der digitalen Nachlassverwaltung - wenn überhaupt - erst ganz am Ende der Prozedur gelöscht werden. Am E-Mailkonto laufen Zahlungserinnerungen und Rechnungen auf. Von hier aus können neben den Verpflichtungen auch Kontakte des Verstorbenen angezeigt und Benutzerdaten wiederhergestellt werden. Auch nach vielen Monaten könnten hier noch wichtige Hinweise auf digitale Hinterlassenschaften eingehen.

b.) Cloud
Webspace-Anbieter wie etwa Cloudspeicher-Dienste  ermöglichen es, große Datenmengen im Web abzulegen, um sie von überall her verfügbar zu halten. Die Menge der dort hinterlegten Daten wächst stetig, die Angebote und Services in diesem Bereich werden auch für Privatpersonen stetig interessanter. Hier sind vielerlei Inhalte des digitalen Nachlasses von Verstorbenen zu vermuten. Die Daten können öffentlich sichtbar, nur für Gruppen oder bestimmte Personen zugänglich oder ausschließlich für den Besitzer erreichbar sein. Der Zugang wird in der Regel über Benutzername und Passwort gesteuert.

c.) Websites
Einige Menschen betreiben eigene Internetseiten, sogenannte Websites, auf denen sie öffentlich sichtbare und auch vertrauliche Inhalte ablegen. Zugang zu den Inhalten findet man beim jeweiligen Webspace-Anbieter mit Hilfe von sogenannten Content-Management-Systemen, die in der Regel keine Programmierfähigkeiten voraussetzen oder mit Hilfe des klassischen Webdienstes "FTP" , der einen Dateiup- bzw. download erlaubt. Auch hier sind spezielle Zugangsdaten erforderlich. Wer der jeweilige Anbieter eines Services zur Erstellung von Websites ist, kann man bei der DENIC-Domainabfrage  erfahren.

d.) Social Media
Eine Vielzahl an Inhalten findet sich in den sogenannten "Social Media"-Angeboten , die es den Nutzern erlauben, sich untereinander auszutauschen und allerlei digitale Inhalte zu verbreiten. Dies geschieht in Blogs , Mailinglisten , Wikis , Chats  und in Netzwerkangeboten wie etwa denen von Facebook , Twitter  und Co. Bezüglich des Handlings eines bestimmten Nachlasses kann es hier deutliche Probleme geben. Löschen von Inhalten oder gar ganzen Nutzerkonten ist nicht immer sinnvoll oder möglich, wenn ein Eintrag beispielsweise in einem kausalen Zusammenhang mit vorherigen oder Nachfolgenden Beiträgen in einem Chat befindet. Auch können Texte, Bilder oder Musikstücke gemeinschaftlich in der Community des Netzes entstanden sein, sodass das Löschen eines Beitrags das Werk zerstören könnte. Verlinkungen von anderen Seiten auf Inhalte des Verstorbenen könnten ins Leere gehen. Auch sollte man bedenken, dass die digitale Vernetzung des Verstorbenen Freundschaften hervorgebracht haben könnte, die ausschließlich über den jeweiligen "Social Media"-Kanal erreichbar sind. Bei diesen "digitalen Freundschaften" würde die Löschung des Profils zu einem kompletten Verlust der Beziehung zum Verstorbenen führen.

e.) E-Commerce: Online-Handel
Vielfältige Spuren hinterlassen wir beim Einkaufen im Netz. Digitale Wunschzettel, Produkt- oder Artikelbewertungen sowie Bewertungsprofile von Benutzern können Ausdruck der digitalen Identität des Verstorbenen sein. Welche Artikel wurden wo gekauft, wie oft angesehen, für welchen Preis ersteigert - das alles lässt sich auch nach unserem Ableben über uns herausfinden, denn das Internet löscht unsere Spuren nicht selbstständig. Es ist nicht gerade erbaulich, wenn bei der Recherche des digitalen Nachlasses eines geliebten Verstorbenen digitale Inhalte oder besuchte Orte im Internet zu Tage gefördert werden, mit denen die Hinterbliebenen nicht gerechnet haben, wie etwa Partnerbörsen oder Portale für Seitensprungangebote. Dass es eventuell zu solch überraschenden Ergebnissen kommen kann, sollte jedem, der eine Recherche betreibt oder beauftragt, klar sein.
Lohnend könnte gegebenenfalls der Blick auf Online-Guthaben-Konten bei digitalen Bezahldiensten oder Onlinewarenhäusern sein. Eventuell finden sich noch Guthaben aus Einzahlungen, Gutschriften oder Gutscheinen dort.
Gekaufte Produkte, die nur als reine digitale Versionen im Benutzerbereich des Anbieters vorliegen, wie etwa Filme und Musik bei Streamingdiensten sind häufig nicht einfach auf andere Personen übertragbar (siehe auch: digital.danach: "Streaming- und Abodienste: Filme, Serien, Musik, Hörbücher ").

3.) Weitere Orte
a.) Die Arbeitsstelle
Der Rechner am Arbeitsplatz könnte ein Ort sein, an dem der Verstorbene persönliche digitale Spuren hinterlassen hat. Moderne Firmen erlauben im Allgemeinen ihren Mitarbeitern die private Nutzung der von ihnen verwendeten Büroinfrastruktur wie Internet, Laptops, Arbeitsplatzcomputer oder Firmensmartphones. In diesen Fällen ist also auch hier digitale Erbmasse zu vermuten. Ein Recht der Hinterbliebenen auf Sichtung der firmeneigenen Geräte indes lässt sich aus der mitarbeiterfreundlichen Haltung des Arbeitgebers nicht ableiten.

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