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Zahl der Baumbestattungen mehr als verdoppelt

Fünf Prozent aller Verstorbenen finden ihre letzte Ruhe unter Bäumen | 22.05.2014 |

Fünf Prozent aller Verstorbenen in Deutschland finden ihre letzte Ruhe unter einem Baum. Die Zahl der Baumbestattungen hat sich damit innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als verdoppelt - auf ungefähr 45.000 im Jahr 2013. Das ergab eine Studie von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur.

Seitdem 2001 die ersten Baumbestattungen in Deutschland stattgefunden haben, erlebt dieses Bestattungskonzept einen bisher ungebremsten Boom. Während im Jahr 2009 bereits die Asche von circa 20.000 Verstorbenen unter Bäumen beigesetzt wurde, hat sich die Zahl bis zum Jahr 2013 auf ungefähr 45.000 Bestattungsfälle erhöht. Dies entspricht etwas mehr als fünf Prozent aller Verstorbenen. "Damit findet angesichts von über 50 Prozent Feuerbestattungen in Deutschland fast jede zehnte Urne ihre letzte Ruhe unter einem Baum", sagt Christoph Keldenich, Vorsitzender von Aeternitas e.V., der Verbraucherinitiative Bestattungskultur aus Königswinter. Der Verein befragte im Rahmen einer Studie 141 der mindestens 400 Baumbestattungsstandorte in Deutschland. In der Stichprobe wurden sowohl Baumbestattungsmöglichkeiten auf Friedhöfen als auch reine Bestattungswälder berücksichtigt.

Auch die Eröffnungsjahre der einzelnen Standorte bestätigen den Baumbestattungs-Boom. In den letzten zehn Jahren wurden allein in der Gruppe der 141 Anbieter jedes Jahr im Schnitt 13 Anlagen eröffnet. Hochgerechnet auf den gesamten Markt kann von einer jeweils mindestens dreifach so hohen Zahl ausgegangen werden. Mittlerweile verfügen allein die größten Anbieter FriedWald und RuheForst über 50 bzw. 55 Standorte in ganz Deutschland. Kleinere Anbieter treten dazu in Konkurrenz. Darüber hinaus nutzen immer mehr Kommunen Waldstücke oder Teile ihrer Friedhöfe, um die Beisetzung unter Bäumen anzubieten.

Als Träger eines Friedhofs (darunter zählen rechtlich auch die Bestattungswälder außerhalb klassischer Friedhöfe) können in Deutschland nur Körperschaften öffentlichen Rechts fungieren. Deshalb befinden sich 94 Prozent der Baumbestattungsstandorte in kommunaler und fünf Prozent in kirchlicher Trägerschaft (ein Prozent machte hier keine Angaben), auch wenn zahlreiche Bestattungswälder von Privatfirmen betrieben und vermarktet werden.

Unter den Oberbegriff "Baumbestattung" fallen in der Aeternitas-Studie alle naturnahen Bestattungskonzepte auf Friedhöfen und in Bestattungswäldern, die üblicherweise als Urnenbeisetzung unter Bäumen stattfinden. Dazu zählen auch Beisetzungen in sogenannten "Ruhebiotopen", bei denen es sich neben Bäumen zum Beispiel um Lichtungen oder Felsformationen handeln kann.

Aeternitas hat von März bis Mai 2014 401 Standorte für Baumbestattungen um die Teilnahme an der Studie gebeten. 141 Standorte machten Angaben, nicht nur zur Zahl der Beisetzungen, dem Eröffnungsjahr und der Trägerschaft, sondern auch zu Kapazität, Reservierungsmöglichkeiten und Nutzungsdauer der Grabstellen. Die Gesamtzahl der Standorte für Baumbestattungen in Deutschland kann nur geschätzt werden. Über 400 sind Aeternitas bekannt, von bis zu 500 oder gar mehr kann ausgegangen werden.

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