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Grabmale: Ausbeuterische Kinder- und Zwangsarbeit

"Saubere" Lösungen nachfragen 
Kinderarbeit - Foto: Omaec / pixelio.de Rund 80 Prozent der Grabmale auf den heimischen Friedhöfen kommen aus Asien. Als Länder mit den höchsten Grabmal-Exporten gelten China und Indien. In Indien arbeiten etwa 100.000 Kinder in Ziegeleien und Steinbrüchen 1 - ob auch Kinderarbeit bei der Herstellung von Grabsteinen, die in Deutschland verkauft werden anfällt, ist umstritten.

Die Lebenserwartung derjenigen indischen Kinder, die in Steinbrüchen arbeiten, liegt nach Angaben von Xertifix, bei 30 bis 40 Jahren (Xertifix ist ein Verein, der sich gegen Kinderarbeit engagiert). Vor allem der allgegenwärtige Steinstaub lasse sie vorzeitig altern. Von Arbeitsschutz wie Schutzbrille, Atem- oder Ohrschutz wird häufig kein Gebrauch gemacht, so Benjamin Pütter, Kinderarbeitsexperte und Mitarbeiter von Misereor zu den Arbeitsbedingungen. Den Kindern, die unter diesen Bedingungen bei teils über 40 Grad Celsius arbeiten müssten, drohten schwerste Gesundheitsschäden (z.B. Taubheit) sowie später die Erkrankung an der tödlichen Staublunge (Silikosis)

Eine niederländische Studie von 2015 beschreibt die Situation in Indiens Grabmalbetrieben und Steinbrüchen zwar als verbessert - Entwarnung kann jedoch (entgegen mancher Aussage hiesiger Grabmal- und Steinimporteure) bzgl. der oft miserablen Arbeitsbedingungen nicht gegeben werden. Das ergab eine Nachfrage bei den Machern der Studie, der Anti-Kinderarbeit-Institution SCL – "Stop Child Labour". Der politische und wirtschaftliche Druck aus den Abnehmerländern führte dazu, dass statt der Kinder nunmehr zum Beispiel Witwen, die vielfach ihre Existenzberechtigung in Teilen der indischen Gesellschaft mit dem Tode ihrer Männer verloren haben, zum Ziel ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse werden.

Der Ruf nach Zertifizierungen, die Nachweise für kinderarbeitsfreie Produkte erbringen, wie im Bestattungsgesetz Nordrhein-Westfalen formuliert, ist positiv zu bewerten, greift aber demnach immer noch zu kurz. Grundlage der Zertifizierung für Exportgrabmale sollten alle 8 Kernarbeitsnormen der ILO (International Labour Organisation) sein. Nur so können unmenschliche Arbeitsbedingungen generell bekämpft werden.

Wir empfehlen, bei der Materialauswahl zunächst einmal zu schauen, ob ein deutscher, regionaler Stein oder gar ein alternatives Material zum Einsatz kommen kann. Die Auswahl an einheimischen Steinen ist übrigens riesig. Jeder Steinmetz sollte solche heimischen Materialien im Programm haben. Bei uns sehen Sie einige Beispiele für Grabmale aus deutschen und europäischen Materialien: www.gute-grabmale.de

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  1. Zeit Online, "Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen", abgerufen am 7.3.2016



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