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Bestatter vernachlässigen Preisauszeichnung

Auskunft über Sargkosten erhalten nur aktive Verbraucher | 05.10.2004 |

Der Entscheidungsdruck im Trauerfall ist groß. Binnen drei Tagen nach dem Tod wählen Hinterbliebene Grab, Sarg, Gestaltung der Trauerfeier und Grünschmuck. Finanzieller Wert: durchschnittlich in Deutschland 5 000 Euro. Bestatter, Friedhofsgärtner und Steinmetze bieten ihre Leistungen an.

Während die Gebühren für ein Grab durch einen Blick in die Friedhofsordnung relativ schnell erfasst sind, bleiben die Preise für Sarg, Kranz oder Orgelspiel bis zur Rechnungsstellung dem Kunden oft verborgen. Er muss selber die Initiative ergreifen, um vorab die Kosten der gewünschten Dienstleistungen zu erhalten.

"Nur etwa ein Drittel der Bestatter hält Preisangaben für die Dienstleistungen bereit, hat die Ware ausgezeichnet oder nennt die Kosten unaufgefordert" bemängelt Hermann Weber, der Vorsitzende der Verbraucherinitiative Aeternitas für Bestattungskultur. "Weitere 30 Prozent nennen Pauschalpreise und nur das letzte Drittel verhält sich vorbildlich. Unaufgefordert erhielten wir bei Testberatungen einen schriftlichen Kostenvoranschlag."

Der "Wucherparagraph" § 138 des Bürgerlichen Gesetzbuches schützt die Verbraucher vor unangemessenen Preisen. Dem Missbrauch und der Willkür bei der Abrechnung sollen weitere Regelungen entgegen wirken, damit sich jeder im Vorfeld einer Kaufs oder Dienstleistung über die möglichen Kosten informieren kann.

Die wichtigste Vorschrift mit bundesweiter Gültigkeit ist die Preisangabenverordnung. Alle Händler und Anbieter von Dienstleistungen sind an ihre Vorgaben gebunden. Das gilt auch für Bestatter, die als handwerktreibende Dienstleister gelten. Sie müssen zu den wesentlichen Leistungen einer Bestattung eine Preisliste erstellen und den Kunden zugänglich machen. Aufgeführt werden müssen die typischen Handlungen einer Beisetzung (Stundensätze oder Festpreise für die Einsargung, den Transport, die Vorbereitung des Leichnams zur Bestattung, für Behördengänge, Traueranzeigen, Trauerfeier etc.) und die angebotenen Waren (Särge, Urnen, Leichenkleidung etc.), die dafür eingesetzt werden. Eine Einzelpreisauszeichnung der Waren in den Räumen des Bestatters ist zwar nicht vorgeschrieben, wäre aber aus Verbrauchersicht zu wünschen.

Bestattungsunternehmen müssen daher über eine Preis-Leistungs-Liste verfügen, die jedermann einsehen kann. Sie sollte im Schaufenster oder in den Verkaufsräumen in einer für den Kunden deutlich sichtbaren Art und Weise aushängen. Ist das nicht der Fall, sollten sich Verbraucher nicht scheuen, ausdrücklich nach der Vorlage der betreffenden Preislisten zu verlangen. Wenn der Bestatter keine Preisliste führt oder eine Vorlage verweigert, kann beim Ordnungsamt Beschwerde eingereicht werden.



[Lesen Sie dazu auch die Information über Preisauszeichnungen.]

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