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Deutschland hat zuviel Friedhofsflächen

Nicht benötigte Überhangsflächen erhöhen den Gebührendruck | 31.03.2008 |

Deutsche Friedhöfe haben mit zu großen Flächen zu kämpfen. Nicht mehr für Bestattungen benötigte Flächen verursachen hohe Kosten für Instandhaltung und Pflege, die von den Gebührenzahlern aufgebracht werden müssen. Besonders die Friedhöfe der Großstädte sind überdimensioniert. Zum Teil liegen bis zu 50 Prozent der Flächen als so genannte Überhangsflächen brach. In Berlin zum Beispiel hat man bei vorhandenen 1400 Hektar Friedhofsfläche einen Bedarf an 574 Hektar errechnet. Über 800 Hektar Fläche werden nicht mehr benötigt. Nicht anders sieht es in Köln aus: Einem Flächenbedarf an 256 Hektar stehen 474 Hektar Friedhofsflächen gegenüber.

Für das Wachstum der Überhangsflächen gibt es mehrere Gründe. Der Trend geht in Richtung kleinerer, preiswerter und weniger pflegeaufwendiger Grabstätten auf traditionellen Friedhöfen. Dazu kommen vielfältige Angebote und vermehrt Beisetzungen außerhalb von Friedhöfen, zum Beispiel als Baumbestattungen. Weiterhin wurde in der Vergangenheit der Flächenbedarf für Körperbestattungen geplant. Man ging von einer gleich bleibenden Präferenz für Erdgräber, einem Bevölkerungswachstum und höheren Sterbefallzahlen aus.

Eine Forschungsstudie der Professoren der Landschaftsarchitektur Gerhard Richter und Werner Nohl in Zusammenarbeit mit der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas brachte das Hauptproblem der Friedhofsverwaltungen schon vor Jahren ans Licht. Die Analyse aus dem Jahr 2000 warnt vor den Folgen der Überhangsflächen wie steigenden Kosten. Ein Maßnahmenkatalog gab bereits damals den Verwaltungen Ansätze zur trauerkulturfreundlichen Reduzierung der freien Friedhofsflächen.

Der Anteil der Urnenbestattungen liegt derzeit in Deutschland bei ungefähr 48 Prozent, vor zehn Jahren waren es noch 38 Prozent. Urnengräber erfordern weniger Fläche auf dem Friedhof als Erdgräber. Die vorhandenen, meist kommunalen Friedhöfe wurden für einen auf Zuwachs prognostizierten Flächenbedarf von rund 4,5 bis 7 Quadratmeter pro Einwohner berechnet und für künftige Generationen angelegt und ausgebaut. Der permanent steigende Anteil an Urnenbestattungen und Beisetzungen außerhalb von Friedhöfen lässt den heute notwendigen Flächenbedarf auf etwa 2,5 bis 4 Quadratmeter pro Einwohner sinken.

Überhangsflächen erhöhen den Gebührendruck. Die Unterhaltung und Pflege dieser Grünflächen, die für Bestattungen nicht mehr benötigt werden, bezahlen die Bürger beim Kauf einer Grabstätte mit. "Gebührenrechtlich ist das ein Unding", sagt Hermann Weber, Vorsitzender von Aeternitas. "Der Bürger bezahlt ohne eine Gegenleistung. Mancherorts geht es in der Summe um Millionenbeträge, die sich aus der Pflege und Instandhaltung von 20 bis 100 Hektar Überhangsflächen ergeben."


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