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Die letzte Ruhe wird teuer (Langfassung)

Große Unterschiede bei den Bestattungskosten in Deutschland | 07.10.2010 |

Wer in Deutschland eine Bestattung organisiert, wird sich angesichts der Kostenunterschiede wundern. Während zum Beispiel in Dresden eine gutbürgerliche Erdbestattung für insgesamt ungefähr 4.000 Euro zu haben ist, werden in Aachen nur für das Familiengrab schon über 4.000 Euro an Friedhofsgebühren fällig - ohne dass Bestatter oder Trauerfeier bezahlt wären. Gesamtkosten für die Bestattung von 8.000 Euro und mehr sind so schnell erreicht, mit entsprechendem Grabmal auch über 12.000 Euro. Den Kontrapunkt am anderen Ende der Skala stellt die anonyme Urnenbestattung dar: Mit weit weniger als 2.000 Euro sind gewöhnlich alle Kosten abgedeckt.

Besonders groß sind die Kostenunterschiede bei der Grabwahl. Hier spielen Grabart, Grabgröße und die jeweiligen örtlichen Friedhofsgebühren eine Rolle. "Gebührenunterschiede von mehreren hundert Prozent zwischen deutschen Städten sind keine Ausnahme", erläutert Hermann Weber, Vorsitzender der Verbraucherinitiative Aeternitas. Der Verein hält im Internet eine Friedhofsgebührendatenbank mit annähernd 1.000 deutschen Städten bereit. Der Vergleich ausgewählter Großstädte zeigt die Unterschiede. 4.247 Euro Friedhofsgebühren kostet ein Erdwahlgrab in Aachen gegenüber 845 Euro in Dresden, 1.966 Euro ein Erdreihengrab in Hannover gegenüber 987 Euro in Berlin und 3.249 Euro ein Urnenwahlgrab in Mannheim gegenüber 628 Euro in Nürnberg. Am oberen Ende der Gebührenskala liegt ein Erdwahlgrab im schwäbischen Filderstadt: 5.810 Euro zahlt der Friedhofsnutzer hier. In den genannten Gebühren enthalten sind sowohl die Grabgebühren für die Nutzung des Grabes als auch die Bestattungsgebühren für die Beisetzung selbst, die Trauerhalle und die Genehmigung eines Grabmals.

Auch bei eher günstigen Grabarten werden in manchen Städten stolze Summen fällig. 1.421 Euro für ein Urnenreihengrab in Hannover lassen manchen Friedhofsnutzer schlucken. In Mainz hingegen zahlt der Nutzer nur 462 Euro für ein Urnenreihengrab. "Oft ist es aber gar nicht nötig, in die Ferne zu schweifen, um große Gebührenunterschiede zu nutzen", sagt Weber. Im nur wenige Kilometer von Hannover entfernten Garbsen kostet ein Urnenreihengrab 655 Euro. Ein anderes Beispiel: Für das anonyme Urnengrab werden in Saarbrücken 1.895 Euro erhoben, aber im 30 Kilometer entfernten Homburg nur 506 Euro.

Die Gebühren für eine Einäscherung in einem Krematorium variieren ebenfalls enorm. Während in Dresden 163 Euro fällig werden, kostet die Einäscherung in Mannheim mehr als dreimal so viel: 580 Euro. "Durchschnittlich kann der Hinterbliebene mit ungefähr 300 Euro Einäscherungskosten rechnen", erläutert Weber.

Die Kosten für einen Bestatter hängen von den jeweiligen Wünschen der Hinterbliebenen ab. Bestatter erledigen auf Kundenwunsch alle Formalitäten und Dienstleistungen. Dies stellt für viele Hinterbliebene eine große Erleichterung dar, muss aber auch entsprechend bezahlt werden. Weber weist auch auf die gewaltige Preisspanne bei den Waren des Bestatters hin, insbesondere beim Sarg: "Während ein einfacher Verbrennungssarg aus Fichte für unter 500 Euro zu haben ist, zahlt der Kunde für einen aufwendigen Sarg aus Edelholz 2.000 Euro und mehr." Üblich sind Gesamtkosten für den Bestatter zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Werden nur die grundlegenden Leistungen wie Abholung, Sarg und Versorgung des Leichnams verlangt, kann der Kunde auch mit weniger als 1.000 Euro rechnen.

Über den Bestatter abgerechnet werden meist auch weitere Kosten wie Gebühren für den Totenschein, Sterbeurkunden, eine weitere Leichenschau (bei der Feuerbestattung), Todesanzeigen, Musik bei der Trauerfeier, Trauerredner oder eine Kaffeerunde nach der Beisetzung. Hier kommen je nach gewünschtem Umfang schnell weitere 1.500 Euro und mehr zusammen. Auf Wunsch organisieren manche Bestatter mit Partnern aus dem Ausland auch ungewöhnliche Bestattungsformen wie eine Diamant- oder eine Weltraumbestattung. Dann müssen die Hinterbliebenen aber mit Mehrkosten von 5.000 bzw. 11.000 Euro aufwärts rechnen.

Nach der Bestattung selbst ergeben sich weitere Kosten für die Hinterbliebenen. Für ein aufwendig gestaltetes Grabmal zahlen sie leicht mehr als 4.000 Euro. Weber empfiehlt, sorgfältig nach dem passenden Grabmal zu suchen: "Der Markt hält tolle Grabmale schon ab 2.000 Euro bereit." Ein einfacher, kleiner Grabstein ist für unter 500 Euro zu haben. Zu dem Material selbst kommen die Kosten für die Inschrift, die Grabeinfassung und das Aufstellen des Grabmals. Muss oder soll für die spätere Grabpflege eine Friedhofsgärtnerei beauftragt werden, entstehen über die Jahre Kosten von einigen tausend Euro. Auch fünfstellige Beträge für große Gräber sind keine Seltenheit. Die jeweiligen Kosten hängen von der Länge der Ruhefrist, der Grabgröße und dem gewünschten Pflegeaufwand ab. Ein Vergleich der Kosten lohnt sich.

Noch 2007 wollten laut einer Infratest-Umfrage im Auftrag von Aeternitas 60 Prozent der Bundesbürger mit höchstens 4.000 Euro Gesamtkosten für eine Bestattung auszukommen - inklusive Grabmal und Friedhofsgärtner. "Eine fatale Fehleinschätzung", wie Weber betont. "Schon mit jeweils 2.000 Euro für den Friedhof, den Bestatter und das Grabmal sind 6.000 Euro beisammen. Ohne aufwändige Trauerfeier, ohne die spätere Grabpflege." Folge seien unzufriedene Hinterbliebene, die sich entweder über die nicht erwarteten hohen Kosten oder über einen nicht gelungenen Abschied ärgerten. Sein Fazit aus den großen Unterschieden bei den Bestattungskosten: "Es ist wichtig, sich hinsichtlich der eigenen Wünsche und der finanziellen Situation Gedanken zu machen. Dazu gehören auch Preisvergleiche." Schon zu Lebzeiten sollten sich Familien gemeinsam überlegen, welche Ansprüche sie an ein Grab haben und inwieweit die Bedürfnisse anderer Freunde und Bekannter berücksichtigt werden sollten. "Für einen Menschen mit großem Familien- und Bekanntenkreis zum Beispiel wäre ein anonymes Urnengrab sicherlich nicht geeignet", so Weber.


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Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Alexander Helbach
Aeternitas e.V. – Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter
Telefon: 0 22 44 / 92 53 85, Fax: 0 22 44 / 92 53 88
E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de


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