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Friedhöfe in private Trägerschaft?

Ökonomen haben den deutschen Bestattungsmarkt untersucht | 20.01.2011 |

Hätten private Friedhöfe Vorteile für die Kunden? Die erhöhte Konkurrenz ließe angeblich die Preise sinken und ein vielfältigeres Angebot entstehen. Davon gehen Ökonomen der Universität Jena aus, die den deutschen Bestattungsmarkt untersucht haben. Zu klären wären allerdings Fragen der Pietät und der Dauerhaftigkeit dieser Einrichtungen. Bisher dürfen Friedhöfe in Deutschland nur in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft betrieben werden.

Königswinter, 20.01.2011 - "Aus ökonomischer Sicht spricht wenig dagegen, zukünftig Friedhöfe in privater Trägerschaft zuzulassen", erklärt Professor Frank Daumann in einem Interview mit Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Der Ökonom aus Jena sähe den Kunden als Gewinner der neuen Konkurrenz für die bestehenden Friedhöfe. Es sei mit sinkenden Preisen zu rechnen. Auch glaubt Daumann an eine wachsende Angebotsvielfalt. Bisher gibt es kaum Konkurrenz unter den Friedhöfen.

Die Trägerschaft von Friedhöfen ist in Deutschland auf Kommunen und Kirchen - als Körperschaften öffentlichen Rechts - beschränkt. Befürchtungen wegen der Hygienestandards, der Pietät oder einer möglichen Insolvenz privater Friedhöfe tritt Daumann mit dem Argument entgegen, dass eine unabhängige Kontrollinstitution die Standards absichern könnte - ähnlich wie der TÜV im Straßenverkehr oder die BaFin im Finanzwesen.

Daumann rechnet jedoch in nächster Zeit nicht mit einer umfassenden Deregulierung der Friedhofsträgerschaft in Deutschland. Er betont aber die wachsende Bedeutung öffentlich-privater Partnerschaften bei Friedhöfen. Der Aeternitas-Vorsitzende Hermann Weber berichtet von guten Erfahrungen in diesem Bereich: "Aus Kooperationen im Rahmen von Public-Private-Partnership-Modellen zwischen kommunalen Friedhofsträgern und den örtlichen Friedhofsgärtnern ergibt sich eine Vielzahl interessanter Bestattungsangebote." Als Beispiel nennt er die Memoriam-Gärten in Duisburg, Köln oder Berlin, gärtnerisch gestaltete Grabanlagen mit attraktiven Bestattungsplätzen auf öffentlichen Friedhöfen.

Negative Auswirkungen hätte eine umfassende Privatisierung des Friedhofswesens für viele bestehende Friedhöfe. Vor allem Friedhöfe, die bislang über die kommunale Sicherheit verfügen und kaum Preiswettbewerb ausgesetzt sind, hätten Probleme, bestehende Preise weiterhin durchzusetzen. Ineffiziente Strukturen, die auf zu großen Friedhofsflächen, so genannten Überhangsflächen, beruhen, könnten dann zum noch größeren Problem werden als heute schon. Ohne gründliche Reformen oder umfangreichere Quersubventionen wäre die Schließung nicht mehr tragfähiger Friedhöfe dann die letzte Alternative.

Das Interview mit Professor Daumann und eine Kurzfassung der Studie hält Aeternitas auf seiner Website bereit. Eine längere Ausarbeitung ihrer Untersuchung des Bestattungsmarktes in Deutschland haben Professor Daumann und sein Mitarbeiter Markus Breuer bereits 2009 als Aufsatz im Jahrbuch für Wirtschaftswissenschaften aus dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht veröffentlicht (Band 60/2009, Heft 3, S.227 - 253).

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Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Aeternitas e.V. - Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Alexander Helbach
Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter
Telefon: 0 22 44 / 92 53 85, Fax: 0 22 44 / 92 53 88
E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de



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