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Gegen Trauer helfen keine Pillen

Trauer ist eine normale Reaktion auf einen Verlust | 14.04.2011 |

Wenn sich die Medizin dem Thema Trauer widmet, wird Trauer schnell zur Krankheit. Nicht selten setzen Ärzte die Traurigkeit nach einem Trauerfall mit Depressionen gleich. Trauer ist jedoch eine normale Reaktion auf einen Verlust, die sich in den meisten Fällen ohne Medikamente beherrschen lässt.

Königswinter, 08.04.2011 - "Meine Frau ist vor sechs Monaten gestorben. Seitdem fühle ich mich so schlecht. Ich kann nicht mehr schlafen, habe nicht viel Appetit, kann mich nicht mehr richtig freuen. Ich bin einfach so traurig. Das ist doch nicht normal. Haben Sie nicht eine Pille gegen Trauer?" Diese Frage hört Heidi Müller, Trauerbegleiterin und Beiratsmitglied des Internetportals  www.gute-trauer.de, oft in ihren Gesprächen mit Trauernden. Sie kennt viele Fälle, in denen Menschen wegen ihrer Traurigkeit nach dem Tod eines Angehörigen zum Arzt gingen und mit einem Antidepressivum oder Beruhigungsmittel nach Hause kamen. Die Gespräche dauerten in einigen Fällen nicht einmal fünf Minuten.

Solche Fälle sind Ausdruck einer Entwicklung, die Fachleute - in Anlehnung an die internationale Trauerforschung - als Medikalisierung bezeichnen. Tiefe Traurigkeit nach einem Verlust wird zunehmend nicht mehr als intensive Emotion wahrgenommen, die so sein darf. Sie wird in medizinische Kategorien eingeordnet und erscheint behandlungsbedürftig. Müller zweifelt daran, dass Trauernden mit Medikamenten geholfen werden kann. "Trauer ist keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf ein Verlusterlebnis", sagt sie.

Die medizinische Betrachtungsweise von Trauer führt auch dazu, dass Trauer als individuelle Angelegenheit betrachtet wird. Der soziale Zusammenhang bleibt unberücksichtigt, obwohl er eine wichtige Rolle spielt. Die Gemeinschaft fühlt sich häufig nicht mehr in der Pflicht bzw. in der Lage, Trauernde zu unterstützen, weil - so die Annahme -, Trauernde in professionelle Hände übergeben werden sollten.

Auch Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, kritisiert die Medikalisierung von Trauer. Der Verein fördert zur Aufklärung über die Normalität von Trauer das Internetportal  www.gute-trauer.de, das den sozialen Zusammenhang von Trauer berücksichtigt. Trauernde und andere Interessierte finden umfassende Informationen und Hilfen.et.

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Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Aeternitas e.V. - Verbraucherinitiative Bestattungskultur
Alexander Helbach
Dollendorfer Straße 72, 53639 Königswinter
Telefon: 0 22 44 / 92 53 85, Fax: 0 22 44 / 92 53 88
E-Mail: alexander.helbach@aeternitas.de



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