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Diamanten aus Totenasche

Verfahren und rechtliche Einordnung | | 0 Kommentare |

Diamanten aus Totenasche
In der letzten Zeit wurde vereinzelt über eine Arte der Aschenverarbeitung namens LifeGem berichtet. Hierbei handelt es sich um eine Form der Ascheumwandlung, bei der die Totenasche in einem mehrwöchigen Prozess in einen Diamanten umgewandelt wird.

Die Diamantisierung von Totenasche ist ursprünglich eine amerikanische Entwicklung. Die Firma betreibt dieses Geschäft seit 2002. Seit 2004 ist auch ein europäischer Lizenznehmer in den Niederlanden vertreten.

Die niederländische Gesetzgebung räumt den Hinterbliebenen die Möglichkeit ein, selbst zu entscheiden, was nach der Kremierung mit der Asche des Verstorbenen geschehen soll. Nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Zeitraum von 4 Wochen, in dem die Asche im Krematorium verbleibt, können die Hinterbliebenen die Verarbeitung der Totenasche in Auftrag geben. Ein Teil der Totenasche wird darauf hin in die USA verschickt, wo sie aufbereitet und dann zu einem Diamanten verpresst wird. Der Rohdiamant wird einem Diamantschleifer übergeben, der den Rohdiamant in eine von den Hinterbliebenen bestimmte Form schleift. Es stehen mehrere Formen zur Auswahl. In allen Fällen wird eine bestimmte Kohlenstoffmenge vom Anbieter für eventuelle Nachfertigungen aufbewahrt. Der Reinigungs- und Herstellungsprozess beträgt insgesamt zwischen 26 und 30 Wochen.

Standardmäßig erhalten die Kunden ein Gradierungszertifikat mit Angabe der physikalischen Eigenschaften des ihnen ausgehändigten Diamanten.

Der Preis des Diamanten wird nach dessen Gewicht bestimmt und nach Karatgruppen defi-niert. Die günstigste Möglichkeit liegt bei ca. 2.800,- Euro für einen Diamanten von 0,2 bis 0,3 Karat. Es ist möglich, aus der Asche des Verstorbenen mehrere Diamanten von 1,00 Karat herzustellen.

Das Verfahren ist auch auf die Asche von Haustieren anwendbar.

Rechtliche Einordnung:

Nach dem deutschen Bestattungsrecht gilt in jedem Bundesland der so genannte Bestattungszwang. Das bedeutet, dass Totenasche immer beigesetzt werden muss, sei es durch Beisetzung oder Verstreuung der Totenasche oder durch Seebestattung. Hintergrund dieses Zwanges ist die vollständige Auflösung der sterblichen Überreste in den anderen Elementen (Lust, Erde, Wasser). Durch den Diamantisierungsprozess wird aber genau diese Auflösung verhindert. Die Diamantisierung von Totenasche widerspricht somit dem deutschen Bestat-tungsgzwang. Da die Totenasche aber zunächst in die Niederlande gebracht wird, ist das niederländische Bestattungsrecht einschlägig, nach welchem die Diamantisierung zulässig ist. Die Totenasche gilt danach auch nach deutschem Recht als bestattet und der Import des Diamanten dürfte aus bestattungsrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden sein.

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