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Zahngold und Krematorien: Bundesweit erstes Urteil gesprochen

Amtsgericht Hof: Mitarbeiter freigesprochen | | 0 Kommentare |

Zahngold und Krematorien: Bundesweit erstes Urteil gesprochen
Das Amtsgericht Hof hat in der letzten Woche das nach unserer Kenntnis erste Urteil zu der Frage gesprochen, ob die Mitnahme von Zahngold, welches nach der Einäscherung von der Totenasche der Verstorbenen übrig bleibt, einen Straftatbestand erfüllt. Die drei Mitarbeiter des örtlichen Krematoriums, die in mindestens 600 Fällen Goldrückstände aus Einäscherungen "abgezweigt" und privat verkauft hatten, wurden vom Gericht freigesprochen. Die Begründung hierfür war laut eines Artikels in der Frankenpost vom 04.09.2007, dass es sich bei dieser "Entnahme" um eine Regelungslücke im Deutschen Strafrecht handele.

Angeklagt waren die Mitarbeiter wegen Störung der Totenruhe. Doch das Gericht stellte klar, dass dieser Tatbestand eben nicht erfüllt sei. Der Amtsrichter begründete die drei "Freisprüche aus rechtlichen Gründen" hauptsächlich wie folgt: Der Schutzzweck des Paragrafen 168 im Strafgesetzbuch - eben die Störung der Totenruhe - sei das Pietätsempfinden.

Diese Ehrenschutzfunktion auch für Tote hätten die Angeklagten aber eben nicht verletzt, obwohl sie mindestens seit dem Jahr 2005 Zahngold aus der Asche entnommen und verkauft hätten. Insgesamt wurden laut Zeitungsartikel rund 10 Kilogramm Gold von den Angeklagten abgezweigt und so ein Gewinn von rund 50.000 Euro erzielt.

Diese Taten haben laut Gericht "keinen beschimpfenden Unfugcharakter", der wiederum Voraussetzung für die Störung der Totenruhe sei.

Zwar hätten die Angeklagten "aus dem maschinellen Vorgang der Verbrennung" einen Vermögensvorteil gezogen. Doch dies sei eben kein Vermögensdelikt wie etwa Diebstahl, Untreue oder Unterschlagung, weil eine Leiche juristisch keine Sache sei. Der Totenruhe-Paragraf sei keine Auffang-Rechtsnorm für eben solche Vermögensdelikte.

Ob bei der Stadt Hof zu diesem Thema eine Dienstanweisung vorgelegen habe, konnte der Pressesprecher des Krematoriums konkret nicht sagen. Dies wurde auch in diesem Verfahren nicht geklärt. Sicher ist aber, dass auch der Träger des Krematoriums selbst solche Überreste gesammelt und veräußert hat.

"Üblicherweise", so hieß es, werde Zahngold der Urne beigefügt. Zumindest in Zukunft will die Stadt mit "Überwachungs- und Überprüfungsmaßnahmen" sicherstellen, dass der Griff nach dem Gold in den Überresten eines Menschen "nicht mehr so leicht möglich" sei.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft hat bereits Rechtsmittel angekündigt. Im benachbarten Nürnberg ist ein vergleichbares Verfahren angängig, ein Urteil wird für die nahe Zukunft erwartet. Die insgesamt 1300 Gramm Gold und 39.000 Euro aus bisherigen Verkäufen, die bei den Angeklagten sicher gestellt wurden, bleiben vorerst in gerichtlicher Verwahrung; die Stadt Hof prüft derzeit zivilrechtliche Schadensersatzforderungen gegen die drei Ex-Mitarbeiter.

Kommentar von Aeternitas e.V.:
Selbst wenn durch das Vorgehen in diesem Fall nach Ansicht des Amtsgerichts Hof kein Straftatbestand erfüllt ist, macht dieser Fall deutlich, dass eine gesetzliche Regelung in jedem Fall zu wünschen ist. Der Bundesgesetzgeber ist aufgefordert, durch eine Neufassung des § 168 StGB eine Regelung für solche Fälle zu schaffen.

Aeternitas fordert im Interesse der Angehörigen, dass bis dahin der Umgang mit solchen Überresten auf jeden Fall und in allen deutschen Krematorien zumindest per Dienstanweisung ausdrücklich geregelt wird.

Es sollte von der Zustimmung der Angehörigen abhängig gemacht werden, wie mit solchen Überresten nach der Einäscherung verfahren wird.

Sollten diese das nicht wünschen, sollten sich die Träger der Krematorien dazu verpflichten, solche Edelmetalle zu sammeln und die Erlöse aus dem Verkauf an gemeinnützige oder mildtätige Organisationen zu spenden.

Link zum Artikel mit weiteren Verweisen:
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(Quelle: Online-Artikel der Frankenpost aus dem Zeitraum vom 03.09.07 bis zum 05.09.07)

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