Startseite | Bestattungsrecht Aktuelle Meldungen | Sozialbestattung statt Armengrab

Sozialbestattung statt Armengrab

Zunehmende Armut erhöht den Druck auf die Gesetzgeber | | 0 Kommentare |

Die Zahl der Anträge auf Übernahme der Bestattungskosten durch die Sozialämter nimmt zu. Wegen der wachsenden Altersarmut und der Abhängigkeit von staatlichen Leistungen können die Hinterbliebenen die Kosten häufig nicht selbst tragen. In Großstädten wie Berlin oder Lübeck beträgt der Anteil der Sozialbestattungen annähernd zehn Prozent. Das Sozialgesetzbuch regelt bundesweit, dass die erforderlichen Kosten von den Sozialhilfeträgern übernommen werden müssen. Die Ämter setzen jedoch unterschiedliche Maßstäbe an, welche Leistungen für eine Bestattung erforderlich sind. In extremen Fällen werden nur die Kosten einer Billigbestattung in einem anonymen Grab ersetzt. Strittig sind besonders häufig Leistungen wie Grabschmuck, Trauerredner, Danksagungskarten oder Grabstein.

Zahlreiche Einzelentscheidungen über den Umfang der Leistungen beschäftigten schon die Gerichte. So urteilte das Landessozialgericht Hessen, dass im Kreis Limburg-Weilburg 850 Euro für eine einfache ortsübliche Bestattung angemessen sind. Der Kläger hatte jedoch 3.000 Euro geltend gemacht. In Heilbronn hingegen werden Kosten in Höhe von bis zu 3.000 Euro für eine Feuer- und bis zu 3.500 Euro für eine Erdbestattung vom Sozialamt übernommen.

Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, Aeternitas e.V., fordert deshalb mit ihrer Aktion "Sozialbestattung 2008" bundeseinheitliche Standards für eine einfache ortsübliche Bestattung. Die Vorschläge entsprechen den – allerdings unverbindlichen – Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände an ihre Mitglieder. Dazu gehören die freie Wahl zwischen Erd- oder Feuerbestattung mit der Erstanlage des Grabes, die für eine Beerdigung notwendigen Leistungen der Bestatter und die Feierlichkeit in einfachem Rahmen. "Die Standards sollten in einer verbindlichen freiwilligen Vereinbarung definiert werden", so der Aeternitas-Vorsitzende Hermann Weber. Unterstützung für diesen Vorschlag gibt es unter anderem von den Kirchen, die häufig zumindest für ihre Mitglieder würdevolle Bestattungen ermöglichen.

In einigen Bundesländern gibt es Bestrebungen, die Sozialbestattung zu vereinheitlichen. Die Länder folgen dabei dem Vorbild des Saarlands. Dort gibt es seit dem Jahr 2005 eine detaillierte Vereinbarung zwischen den Trägern der
Sozialleistungen und den Bestattern über den Umfang der Sozialbestattung. Damit soll auch sichergestellt werden, dass Bestatter nicht auf ihren Kosten für eine Sozialbestattung sitzen bleiben. Unstimmigkeiten und Verzögerungen bei der Kostenübernahme führten in verschiedenen Fällen in anderen Bundesländern so weit, dass Bestatter sich weigern, überhaupt noch Sozialbestattungen durchzuführen.

Beitrag kommentieren