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Entnahme von Zahngold ist Störung der Totenruhe, kein Diebstahl

Weiteres Urteil in Zahngold-Prozess | | 0 Kommentare |

Entnahme von Zahngold ist Störung der Totenruhe, kein Diebstahl
Die sechs Angeklagten im Nürnberger Zahngold-Prozess sind im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth zu Bewährungsstrafen zwischen sechs und zwölf Monaten wegen Verwahrungsbruchs und Störung der Totenruhe verurteilt worden.

Zudem müssen die ehemaligen Mitarbeiter des städtischen Krematoriums Geldstrafen zwischen 1500 und 2000 Euro bezahlen. Zum Freispruch, auf den die Verteidiger plädiert hatten, kam es nicht.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten zwischen 2004 und 2006 Zahngold an sich genommen hatten, das bei der Verbrennung von Leichen übriggeblieben war. Für 130 000 Euro sollen die Männer das Gold an einen örtlichen Juwelier weiterverkauft haben.

Eine Verurteilung wegen versuchten Diebstahl, zu der das Amtsgericht Nürnberg gekommen war und die sechs Männer zu Bewährungsstrafen zwischen neun und 20 Monaten sowie zu Geldstrafen verurteilt hatte, lehnte die Berufungsinstanz jedoch ab. Bei einer Leiche und deren Bestandteilen handele um eine «herrenlose Sache».
Dagegen sah es das Gericht als erwiesen an, dass die Angeklagten das Gold widerrechtlich der Stadt Nürnberg wegnahmen und damit Verwahrungsbruch begingen. Zudem erklärte es die Angeklagten schuldig, die Totenruhe gestört zu haben.

Damit übernahm das Gericht die rechtlichen Erwägungen des Oberlandesgerichts Bamberg. Dieses hatte im Februar 2008 in einem ähnlichen Fall in Hof wegen Störung der Totenruhe Geldstrafen verhängt (Aeternitas berichtete). Dort war das Gold im Unterschied zum Nürnberger Krematorium jedoch schon bei der Verbrennung in einen separaten Behälter abgeschieden worden und sollte dann wieder in die Urne zurückgegeben werden. Die Angeklagten steckten dieses jedoch ein und verkauften es weiter.

Das Urteil des Landgerichtes Nürnberg-Fürth ist nicht rechtskräftig geworden: Alles sechs Angeklagten haben Revision beim Oberlandesgericht Nürnberg beantragt.
(Quelle: ddp)

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