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Wie teuer darf ein Begräbnis sein?

Finanzgericht Köln gibt steuerrechtliche Antwort | | 0 Kommentare |

Wie teuer darf ein Begräbnis sein?
In einigen Bereichen sieht sich die staatliche Verwaltung dazu gezwungen, Höchstgrenzen für die Kosten eines Begräbnisses zu ziehen. Wie hoch die erforderlichen Kosten eines würdevollen und angemessenen Begräbnisses sein dürfen, entscheiden die Ordnungsämter oder Sozialämtern nach unterschiedlichen Maßstäben. Gerichtliche Entscheidungen zur sozialrechtlichen Verschonung von Sterbegeldversicherungen oder Bestattungsvorsorgeverträgen betreffen immer nur einen einzelnen Fall und lassen sich oft nicht verallgemeinern.

Umso interessanter ist eine aktuelle Entscheidung des Finanzgerichts Köln (Az. 12 K 784/09 vom 29.09.2010), die die (einkommen-)steuerrechtliche Beurteilung eines "angemessenen Betrages" im Rahmen der Bestattungskosten aufzeigt.

Der Kläger hatte sich um den Abzug ihm entstandener Bestattungskosten (insgesamt: rund 41.000 EUR !) als außergewöhnliche Belastungen (§ 33 EStG) bemüht, wovon das Finanzamt lediglich einen Betrag von 7.500,00 EUR akzeptiert hatte.

Das Finanzgericht billigt in seinem Urteil die Handhabung der Finanzbehörde: "Über die vom Beklagten anerkannten 7.500 ¤ hinaus können keine weiteren Beerdigungskosten als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden."
Die Ausgaben eines Steuerpflichtigen für die Beerdigung eines nahen Angehörigen (hier: Vater) seien regelmäßig als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen, sofern - wie hier - die Aufwendungen nicht aus dem Nachlass bestritten werden können oder durch sonstige dem Steuerpflichtigen im Zusammenhang mit dem Tod des Angehörigen zugeflossene Geldleistungen gedeckt sind.

Dabei seien nur Bestattungskosten, die unmittelbar mit der eigentlichen Beerdigung zusammenhängen, abzugsfähig. Ein Abzug als außergewöhnliche Belastungen komme aber nur insoweit in Betracht, als die Aufwendungen nach Art und Höhe den Umständen nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht übersteigen.
Welche Aufwendungen der Höhe nach angemessen sind, bestimme sich zwar nach den Besonderheiten des Einzelfalls jedoch losgelöst von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Steuerpflichtigen nach objektiven Merkmalen.

Das Gericht führt weiter aus, dass bei der Prüfung der Angemessenheit und Notwendigkeit der Kosten allerdings eine großzügige Beurteilung geboten sei und verweist dabei auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes.

Für die nach objektiven Kriterien anzustellende Angemessenheitsprüfung seien die durchschnittlichen Kosten einer Beerdigung als Maßstab heranzuziehen. Das Gericht zieht als Maßstab eine Recherche der Stiftung Warentest im Heft test 11/2004 (- Die Daten wurden von Aeternitas zur Verfügung gestellt -) heran, wonach eine Bestattung in Deutschland durchschnittlich rund 4.500 EUR koste. Unter Berücksichtigung der bis zu den Streitjahren 2006 und 2007 gestiegenen Preisen und der gebotenen großzügigen Beurteilung sei die Grenze der Angemessenheit bei dem anerkannten Betrag von 7.500 EUR erreicht.

Damit ist steuerrechtlich ein markanter Bezugspunkt gesetzt worden, der die tatsächlichen Kosten, die auf einen Hinterbliebenen zukommen, in realistischer Weise taxiert.

Aeternitas-Hinweis:
Der Abzug von Bestattungskosten als außergewöhnliche Belastung sollte bei der folgenden Einkommensteuererklärung nicht vergessen werden. Der seitens des FG Köln als noch angemessen akzeptierte Betrag von 7.500,00 ¤ sollte aber nur als absolute Obergrenze aufgefasst werden.

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