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Friedhofsträger haftet für Schäden durch Rehe an einem Grab

Landgericht Aurich spricht Grabnutzer Schadenersatz zu | | 3 Kommentare |

Das Landgericht Aurich hat einen kirchlichen Friedhofsträger zur Schadenersatzzahlung verurteilt, weil ein Grab durch Rehe beschädigt worden war. Geklagt hatte der Grabnutzungsberechtigte. Am Grab seiner Familie hatten Rehe unmittelbar nach der Bestattung seines Sohnes die Bepflanzung beschädigt und Kot sowie Hufabdrücke hinterlassen. Die Richter sprachen dem Kläger Schadenersatz für eine Blumendekoration im Wert von 471,50 Euro zu.

Auf dem betreffenden Friedhof hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach Rehe und andere Tiere Schäden an den Gräbern verursacht. Die zuständige Kirchengemeinde hatte mit zwei Maßnahmen hierauf reagiert: Sie hatte den Zaun, der nur einen Teil des Friedhofs umgibt, repariert und darüber hinaus hatte sie versucht, das Rehwild mit übelriechenden Chemikalien fernzuhalten. Diese Maßnahmen seien jedoch nach Ansicht der Richter nicht weit genug gegangen.

Die Verhinderung jeglicher Schäden durch Wildtiere, insbesondere durch kleinere Tiere wie Kaninchen und Mäuse sei zwar weder möglich noch dem Friedhofsträger zumutbar. Allerdings hätten die Beschädigungen und Verwüstungen durch größere Wildtiere wie Rehe ein anderes Ausmaß und Gewicht. Sie seien mit Beschädigungen durch kleine Wildtiere nicht vergleichbar. Die Friedhofsverwaltung hätte zur Verhinderung der Schäden durch die Rehe den Friedhof vollständig umzäunen oder aber zeitweise das auf einem Friedhof grundsätzlich bestehende Jagdverbot aufheben können.

Anmerkung:
Im Ergebnis ist dem Gericht zuzustimmen, allerdings kann nach Auffassung von Aeternitas auch zum Beispiel bei Kaninchen eine Schadenersatzleistung berechtigt sein. Denn Aeternitas bezweifelt, dass sich das Gericht einmal eine von Kaninchen umgewühlte, und abgefressene Grabstelle angesehen hat, die sich "qualitativ" kaum von einer Beschädigung durch Rehe unterscheiden dürfte. Auch wenn im Einzelfall sicherlich schwierig zu beurteilen sein kann, welche Maßnahmen dem Friedhofsträger zur Vermeidung von Wildschäden noch zumutbar sind, so gehören aber mindestens Ausnahmegenehmigungen für Jagden und eine entsprechende Einfriedung eines Friedhofs dazu.

(Quelle: Urteil des Landgerichts Aurich vom 28.06.2016)

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