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"Friedhof heute" - Interviews mit den Preisträgern

Drei Fragen an die Gewinner des Aeternitas-Medienpreises  | | 0 Kommentare |


Aeternitas hat den Gewinnern des Aeternitas-Medienpreises "Friedhof heute" (mehr Informationen dazu auf unserer Webseite im Bereich  Presse) drei Fragen bezüglich ihrer Motivation, den Eindrücken bei der Recherche und ihrem zukünftigen Bezug zum Thema Friedhof gestellt. Die Kurzinterviews bilden wir hier in Folgenden ab:


1. Preis: Angela Fitsch stellvertretend für das Team der HR-2-Sendung "Der Tag" (ausgezeichnet für die Hörfunkproduktion "Der Friedhof im Zeitalter digitaler Unsterblichkeit")

Was war die Motivation bzw. der Anlass, sich dem Thema Friedhof zu widmen?

Dass das Sterben zum Leben gehört, ist jedem klar. Nur mitten im Leben über das Sterben zu reden und über die letzte Ruhestätte, wird gerne vermieden. Wir haben in unseren Sendungen in der Vergangenheit, in denen das Sterben thematisiert wurde, an den Reaktionen der Hörer feststellen können, dass sie dankbar waren für das Aufgreifen eines offensichtlichen Tabu Themas. Das wollten wir wiederholen, gerne kurz vor Weihnachten, als wir die Sendung ausstrahlten, dem Fest der Liebe, der Familie, der Besinnlichkeit. Gerade in dieser Zeit geraten die vielen Singles in unserer Republik aus dem Fokus. Aber sie verändern gesellschafltiche Realitäten und Konventionen, was sich auch in der Friedholfskultur niederschlägt, vor allem aber im Zeitalter digitaler Unsterblichkeit.

Was hat Sie am meisten überrascht bei der Recherche?

Überraschend war für uns vor allem, dass in einigen Großstädten die Erinnerungskultur zu einem Nebenschauplatz gerät, Friedhöfe plattgewalzt werden zugunsten von Straßen und bebauten Flächen. Und dass im Zeitalter des Internets sich neue Erinnerungskulturen bilden, die an die Stelle der einstigen Gedenkkultur treten. Gibt es wirklich die digitale Unsterblichkeit? Wer weiß...

Bleiben Sie auch in Zukunft dem Thema Friedhof verbunden?

Keine Frage, selbstverständlich bleiben wir diesem Thema weiterhin gewogen und sind jetzt schon gespannt auf die nächsten Veränderungen in der Gedenk- und Erinnerungskultur.


2. Preis: Ina Reuter (ausgezeichnet für den Film "Rendezvous auf dem Friedhof" im WDR Fernsehen, zusammen mit Marko Rösseler)

Was war die Motivation bzw. der Anlass, sich dem Thema Friedhof zu widmen?

Nun ja, Kollege Rösseler wohnt quasi in Sichtweise des Friedhofes und war von Anfang an sehr angetan von diesem Fleckchen Erde. Der Südfriedhof ist ja der offiziell größte Friedhof Kölns und viele halten ihn auch für den schönsten! Er wirkt wie ein eigener Mikrokosmos, wie ein eigenes kleines Stadtviertel in der Stadt und versprach viele Geschichten - was sich ja auch bewahrheitet hat.

Was hat Sie am meisten überrascht bei der Recherche?

Überraschend war, wie viel Heiterkeit und Lebendigkeit wir auf dem Friedhof entdeckt haben! Die Menschen trauern dort, ja - aber vor allem trösten sie sich eben auch gegenseitig, suchen Nähe, Gespräche, Klatsch und Tratsch. Von wegen: Friedhof - wie traurig! Die meisten Drehtage waren fröhlich und anrührend!

Bleiben Sie auch in Zukunft dem Thema Friedhof verbunden?

Zwei Jahre und durch alle Jahreszeiten haben wir diesen Friedhof "begleitet" - eine Erfahrung, die mich immer wieder gerne Friedhofsgeschichten erzählen lassen wird.


2. Preis: Tanja Schwarzenbach (ausgezeichnet für den Text "Seelenverwandte" aus der Süddeutschen Zeitung)

Was war die Motivation bzw. der Anlass, sich dem Thema Friedhof zu widmen?

Ich finde Friedhöfe generell interessant, weil sich hinter jedem Grabstein eine persönliche Geschichte verbirgt. Als ich aber aus meinem persönlichen Umfeld mitbekam, dass dort nicht nur Geschichten zu Ende gehen, sondern auch neue entstehen können, ging ich dem Thema Friedhofliebe nach - und erhielt sehr erfrischende Erkenntnisse. Ein Friedhof ist eben nicht nur ein Ort der Trauer, sondern auch ein sehr lebhafter, kommunikativer Ort.

Was hat Sie am meisten überrascht bei der Recherche?

Ich hatte damit gerechnet, dass gerade ältere Witwer und Witwen Schuldgefühle haben, wenn sie eine neue Partnerschaft eingehen. Es hat sich sicherlich niemand leicht gemacht. Viele ältere Menschen haben sehr lange getrauert, bevor sie sich überhaupt vorstellen konnten, einen neuen Menschen in ihr Leben zu lassen. Bei Christa und Karl, dem Paar aus meiner Geschichte, hatte ich den Eindruck, dass sie die neue Zweisamkeit jetzt aber auch sehr genießen. Schuldgefühle hatten sie keine - diese positive Lebenseinstellung fand ich schön.

Bleiben Sie auch in Zukunft dem Thema Friedhof verbunden?

Ja, ich halte Augen und Ohren auf.

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