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Trauer und Demenz - Für alle Beteiligten schwierig

Themengebiet ist noch weitgehend unerforscht | | 1 Kommentar |


Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, dann sind nicht nur Angst und Sorge, sondern auch Trauer ständige Begleiter des Erkrankten, aber auch der Familien und Freunde. Denn erkennt die betroffene Person, was mit ihr passiert, dann wird sie erahnen können, welche Verluste die Erkrankung für sie mit sich bringt. Die Angehörigen und Freunde wiederum erleben, wie die geistigen Fähigkeiten eines ihnen nahestehenden Menschen zunehmend schlechter werden und sich die ganze Persönlichkeit verändert. Schon vor dem eigentlichen Tod sind das soziale Umfeld und der Erkrankte von Trauer betroffen.

Doch wie verhält es sich, wenn Demenzkranke in ihrem sozialen Umfeld zusätzlich vom Tod eines nahen Angehörigen betroffen sind? Auch dies ist eine Situation, die für den Erkrankten und die Angehörigen gleichermaßen eine Herausforderung darstellen. Wie Therese Rando, eine international anerkannte Trauerforscherin, sagt, sind Demenzkranke zu Trauer fähig. In einem frühen Stadium zeigen sie ganz normale Trauerreaktionen. Mit Fortschreiten der Erkrankung können sie jedoch kognitiv zu stark beeinträchtigt sein, um ihre Reaktionen auf den Verlust als Trauer erleben und ausdrücken zu können. Eine unbestimmte Wahrnehmung davon, dass etwas nicht stimmt, begleitet von innerer Anspannung, kann sich in Verhaltensauffälligkeiten äußern. Denn auch wenn die kognitiven Fähigkeiten abnehmen, bleiben Gefühle und das Erleben von emotionalem Schmerz erhalten.

Sind die kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt, kann es für die Hinterbliebenen zu einer doppelten Herausforderung kommen. Zum einen müssen sie den Verlust selbst verarbeiten, zum anderen kann es vorkommen, dass sie vom Erkrankten wieder und wieder nach dem Verstorbenen gefragt werden. So berichtete eine Frau, dass ihre Mutter bei jedem Treffen den erst kürzlich verstorbenen Ehepartner der Frau immer wieder erwähnte. Sie hat sich schweren Herzens dazu entschieden, die Besuche bei ihrer Mutter etwas einzuschränken, weil sie die Gespräche über den verstorbenen Partner zu sehr belasteten.

Das Themengebiet Demenz und Trauer ist bisher noch weitgehend unerforscht, vor allem wenn es darum geht, wie man Demenzkranken die Nachricht vom Tod eines Angehörigen überbringt beziehungsweise ihm beibringt, sich daran zu erinnern was passiert ist. Es gibt keine festen Regeln dafür. Angehörige sollten ausprobieren und gut beobachten was hilfreiche Strategien für ihre Angehörigen sein können. In jedem Falle haben die Erkrankten aber ein Recht darauf zu erfahren, wenn jemand verstorben ist. Sie sollten solange es die Erkrankung zulässt auch an der Trauerfeier teilnehmen und am familiären Trauerprozess teilhaben.

Der aktuelle Newsletter "Trauerforschung im Fokus" (Nr. 2/2016) greift dieses Thema auf und stellt eine Studie mit dem Titel "Die besonderen Herausforderungen für ältere Trauernde mit Demenz: Fallbeschreibungen und Schlussfolgerungen für die Praxis" vor.

Außerdem finden Sie in der aktuellen Ausgabe folgende Themen:

  • Wenn Verstorbene zu Engeln werden: Trauer im Kontext volkstümlicher religiöser Vorstellungen
  • Leben mit einem Verlust: Eine muslimische Witwe erzählt die Geschichte ihrer Trauer
  • Medienpräsenz und Komplizierte Trauer: Eine Untersuchung an hinterbliebenen Eltern und Geschwistern nach dem Massaker auf der norwegischen Ferieninsel Utøya im Jahr 2011
  • Nach dem Tod eines Kindes: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Verlustverarbeitung der Eltern und der von Geschwisterkindern? Und welchen indirekten Einfluss hat ein positives Erziehungsverhalten auf die Verlustverarbeitung bei den Kindern?
Alles weitere zum Newsletter (und die Möglichkeit, diesen zu abonnieren) finden sie unter
 www.trauerforschung.de.

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