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Feuerbestattung



(Weitergeleitet von Kremation)

Bei der Feuerbestattung (auch Einäscherung oder Kremation genannt) wird der Leichnam in einem Krematorium eingeäschert und später gewöhnlich in einer Urne beigesetzt. Dabei kann zwischen einer Reihe verschiedener Beisetzungsarten gewählt werden.

Wegen kleinerer Grabstätten und Grabmale (oft fehlen diese auch ganz) und einfacherer Särge ist die Feuerbestattung häufig günstiger als die Erdbestattung. Allerdings fallen Kosten für das Krematorium an.

Maßgeblich für die gewählte Bestattungsform - also auch bei der Frage, ob eine Einäscherung stattfinden soll - ist grundsätzlich der Wille des Verstorbenen. Liegt dieser Wille jedoch nicht in Form einer (schriftlichen oder mündlichen) Willenserklärung vor oder ist dieser auch sonst nicht bekannt, können die Angehörigen sich dennoch für eine Feuerbestattung entscheiden.

Vor der Einäscherung muss (außer in Bayern) eine zweite Leichenschau durch einen Amtsarzt erfolgen. So soll eine unnatürlich Todesursache ausgeschlossen werden, die nach der Einäscherung nicht mehr festgestellt werden könnte. In Bayern ist die Bestätigung der zuständigen Polizeidienststelle, dass ihr keine Anhaltspunkte für einen nicht natürlichen Tod bekannt sind, an die Stelle der zweiten Leichenschau getreten.

Eine weitere, früher erforderliche Erlaubnis der Ortspolizeibehörde ist in den meisten Bundesländern nicht mehr vorgeschrieben. Aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung reicht hier die zweite Leichenschau aus, es sei denn, es ergeben sich dabei Anhaltspunkte für eine nicht natürliche Todesursache. Erforderlich ist eine gesonderte Erlaubnis der Ortspolizeibehörde zur Feuerbestattung weiterhin in Baden-Württemberg und im Saarland. Sachsen verlangt eine Unbedenklichkeitserklärung des Gesundheitsamtes des Einäscherungsortes.




1. Geschichte und Zahlen


Seit der Frühgeschichte - bis zum Durchbruch des Christentums im Römischen Reich unter Kaiser Konstantin - entwickelten sich die Erdbestattung und die Feuerbestattung parallel - je nach Region war die eine oder die andere die bestimmende Bestattungsform. Das frühe Christentum verlangte jedoch ebenso wie das Judentum und später der Islam einen intakten Leib für die Bestattung, um das Weiterleben von Körper und Seele als Einheit auch im Jenseits zu gewährleisten.

Dennoch wurde die Feuerbestattung auch in den christlichen Gebieten weiter praktiziert, bis Karl der Große im Jahre 789 per Dekret einheitlich für sein Reich die Feuerbestattung verbot. Einzige "ehrbare" Bestattungsform für den wahren Christen wurde die Erdbestattung auf dem Friedhof.

Erst im 19. Jahrhundert wurde das Thema in Europa wieder aktuell. Die sich rasch vermehrende Bevölkerung und das gleichzeitig wachsende Wissen um Hygiene und Krankheitserreger führten zu der Frage nach einer hygienisch sicheren Beseitigung von Leichnamen.

Auf der Weltausstellung 1873 in Wien präsentierte der Paduaer Professor Brunetti die erste Feuerbestattungsanlage. Sie fand in den meisten europäischen Ländern großes Interesse. 1876 schließlich eröffnete in Mailand das erste Krematorium, 1878 in Gotha das erste Krematorium auf deutschem Boden. Finanziert wurde es, wie die meisten folgenden Krematorien, von privaten Feuerbestattungsvereinen, in denen sich das fortschrittliche Bürgertum der Stadt engagierte. 1891 folgte das zweite Krematorium im Deutschen Reich in Heidelberg, ein Jahr später das in Hamburg.

Die christlichen Kirchen stellten sich gegen die Feuerbestattungsvereine. Die evangelische Kirche zeigte eine ablehnende Haltung, die katholische Kirche erließ 1886 ein Verbot der Feuerbestattung.

Die Zahl der Einäscherungen stieg in der Folgezeit nur langsam an. Um 1900 gab es erst drei Krematorien in Deutschland. Der Anteil der Einäscherungen lag im Promillebereich.

Die Popularisierung in der Arbeiterschaft brachte in den 1920er Jahren den Durchbruch der Feuerbestattung. Eine Rolle spielte dabei die Angst vor Inflation und Wirtschaftskrisen und daraus resultierend die fehlende Möglichkeit einer würdigen Bestattung. Die zunehmende Akzeptanz der Feuerbestattung war darüber hinaus auch Ausdruck eines zunehmenden technokratischen Verständnisses und einer weit verbreiteten Fortschrittsgläubigkeit.

Der Anteil der Feuerbestattungen im Deutschen Reich stieg von 1,8 Prozent im Jahr 1920 auf 7,5 Prozent im Jahr 1930. In diese Prozentsätze gehen alle Regionen des Landes ein, inklusive der traditionellen ländlichen Gebiete. In den Großstädten war der Zuspruch weitaus größer. Die Zahl der Krematorien in der Weimarer Republik stieg von 53 im Jahr 1920 auf 102 im Jahr 1930.

In der Bundesrepublik Deutschland betrug der Anteil der Feuerbestattungen 1960 10,4 Prozent, 1962 aber schon 27,6 Prozent (Ausfürlich dazu und zu den Entwicklungen in der Weimarer Rebublik: Norbert Fischer: "Vom Gottesacker zum Krematorium - eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland". Darin auch ausfürlicher die Entwicklungen in der Weimarer Rebublik).

Die Evangelische Kirche hatte schon 1920 ihren Widerstand aufgegeben. Die Katholische Kirche erkannte erst mit dem zweiten vatikanischen Konzil im Jahre 1963 die Feuerbestattung als gleichwertig zur Erdbestattung an, auch wenn Katholiken weiterhin eher eine Erdbestattung empfohlen wird. Nach wie vor ist der Anteil der Feuerbestattung in protestantisch geprägten Regionen höher als in katholisch geprägten.

Seit den 1990er Jahren ist die Feuerbestattung weiter auf dem Vormarsch. Die folgende Tabelle zeigt die Anteile der Bestattungsformen in Deutschland (zum Teil handelt es sich dabei um Mittelwerte aus verschiedenen Studien und Schätzungen von Experten, da keine anderen Daten vorlagen):

- 1992: Urne 28 %, Erde 72 %
- 1999: Urne 40 %, Erde 60 %
- 2009: Urne 51 %, Erde 49 %
- 2011: Urne 55 %, Erde 45 %
- 2014: Urne 60 %, Erde 40 %
- 2015: Urne 61 %, Erde 39 %
- 2016: Urne 63 %, Erde 37 %
- 2017: Urne 66 %, Erde 34 %
- 2018: Urne 68 %, Erde 32 %

Heutzutage wird deutlich mehr als die Hälfte der Verstorbenen in Deutschland eingeäschert - bei steigender Tendenz. Der Anteil an Feuerbestattungen ist im Norden und Osten des Landes und in Großstädten höher als im Süden und Westen und in ländlichen Gebieten. Ungefähr 160 Krematorien bieten ihre Dienste an, wovon fast die Hälfte von privater Hand betrieben wird.


2. Symbolgehalt


Feuer gehört zu den vier Elementen: Wasser, Erde Feuer, Wind. In vielen Kulturen galt es als Gabe der Götter und damit als heilig. In Heiligtümern wurden die Flammen entzündet und gehütet. Bezogen auf den Leichnam bedeutete seine Verbrennung eine Rückgabe des Menschen an die Götter und die Heiligung des Verstorbenen.

Feuer wurde und wird auch als reinigende, läuternde und prüfende Kraft verstanden. Die Verbrennung eines Leichnams reinigt symbolisch die Seele des Verstorbenen von seinen irdischen Resten. Vor allem im hinduistischen Glauben spielt dies eine Rolle, damit die Seele in einem neuen Körper reinkarniert werden kann.

Naturnahe atheistische Weltvorstellungen sehen den Körper als eine Ansammlung von Energie und Nährstoffen, die nach einer Verbrennung in Form von Asche dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt wird. Auch das ist in gewisser Weise eine Art des Weiterlebens in einer anderen organischen Form.


Diskussion um Zahngold und andere Metalle


Zahngold und andere Metallreste wie zum Beispiel Hüftgelenke verbrennen bei der Einäscherung nicht. Über den Umgang mit den Kremationsresten wird immer wieder diskutiert. Manche Krematorien belassen Zahngold und andere Edelmetalle bei der Asche, andere verkaufen die Wertstoffe. Den Erlös spenden sie für einen guten Zweck oder lassen ihn in den Haushalt einfließen.


4. Literatur


1. Norbert Fischer: Vom Gottesacker zum Krematorium - eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland, ISBN 978-3-412-11195-3.


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