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Kostenvoranschläge zur Pflicht machen

Ein schneller Kostenvoranschlag als erste Dienstleistung im Bestattungsfall | 13.09.2005 |
Bei vielen Gewerken, auch im Bestattungsgewerbe, ist es beinahe üblich, dass vorab nur allgemein oder gar nicht über den Preis gesprochen wird. Ein Bestatter wird gerufen, erledigt seine Arbeit und rechnet dann ab. Es ist aber ein weit verbreiteter Irrtum, dass es pietätlos sei, im Rahmen eines Sterbefalls über die finanziellen Aspekte der Bestattung zu sprechen. In der Praxis kommt es regelmäßig zu Überraschungen und häufig auch zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, wenn der Bestatter seine Rechnung präsentiert.

Der Bestattervertrag unterscheidet sich in einigen Punkten von anderen Werkverträgen, die von beiden Parteien ein besonders umsichtiges Verhalten erfordern:

  1. Zunächst unterscheidet sich die Situation des Kunden von der üblichen Beauftragung eines Dienstleisters: Ein Bestattungsauftrag wird in der Regel im unmittelbaren Zusammenhang mit einem Todesfall im engsten Familien- oder Freundeskreis erteilt. Eine nahe stehende Person ist verstorben und die Kunden haben in der Regel andere Dinge im Kopf, als sich mit den Kosten der Beisetzung auseinander zu setzen. Durch die Beschäftigung mit den finanziellen Aspekten der Beisetzung wird oft auch eine "Profanisierung" dieses Abschiednehmens befürchtet.

  2. Darüber hinaus birgt diese besondere Konstellation auch eine Verschärfung bzw. Verkürzung von Gewährleistungs- und Sicherungsansprüchen für beide Seiten mit sich:
    Weil die Bestatterrechnung in der Regel erst nach Abschluss der Bestattung gestellt wird, hat dieser im Gegensatz zu anderen Handwerkern nur sehr eingeschränkt die Möglichkeit, bei Nichtzahlung etwa sein Werkunternehmerpfandrecht geltend zu machen; Die Grabstelle ist bereits erworben die Behördengänge sind erledigt, der Sarg / die Urne ist darin bereits beigesetzt, die Traueranzeigen sind bereits veröffentlicht und die Trauerbriefe versendet, die Trauerfeier ist abgeschlossen, eventuell bestellte Blumen und Kränze können nicht nochmals verwendet werden. Auch der Kunde als Auftraggeber hat nach Abschluss der Bestattung aus denselben Grünen nur noch wenige Möglichkeiten, die Abnahme zu verweigern oder Nachbesserungen zu verlangen.
    Dies kann aus verschiedenen Gründen zu Verstimmungen zwischen Kunde und Bestatter führen. Anders als beispielsweise bei Ärzten, Architekten und Rechtsanwälten gibt es für Bestattungsleistungen keine gesetzliche Gebührenordnung, was bedeutet, dass der Werklohn und damit der Preis grundsätzlich vom Bestatter frei bestimmt werden kann. Fehlt eine Preisabsprache, so kann der Bestatter, wie jeder andere Handwerker auch, eine Vergütung verlangen, die ortsüblich ist. Was "ortsüblich" ist, ist aber häufig nur schwer zu bestimmen. In Streitfällen muss dies oft durch einen Sachverständigen ermittelt werden.

Aus diesem Grund fordert Aeternitas, dass zur Sicherheit beider Seiten ein schriftlicher Kostenvoranschlag für Bestattungsaufträge zur Pflicht gemacht wird. Durch einen schriftlichen Kostenvoranschlag haben Kunde und Bestatter hinsichtlich der genau vereinbarten Ausführung der Bestattung und auch der Kosten Planungssicherheit und können sich der Abschiednahme bzw. der Arbeit widmen.

Der Kostenvoranschlag sollte dabei zum Zweck der möglichen Beweissicherung alle üblichen Positionen enthalten und auch die voraussichtlichen Fremdkosten (besonders die Friedhofs- und Bestattungsgebühren) enthalten.

Ein solcher Kostenvoranschlag sollte im Idealfall kostenlos sein. Falls vom Bestatter ein Entgelt dafür verlangt wird, sollte dieser Betrag zumindest mit der Schlussrechnung verrechnet werden.

Oftmals wird eingewendet, dass ein Kostenvoranschlag für Bestattungsleistungen nicht erstellt werden könne, weil der Zeitraum zwischen Tod und Bestattung durch die jeweiligen Bestattungsgesetze "so knapp bemessen" sei oder weil jede Bestattung "individuell" sei und daher nicht im Voraus kalkuliert werden könne. Dem kann aber nicht gefolgt werden.

Gerade die kurzen Zeitspannen bis zur Bestattung sollten die Bestatter zu einer schnellen Erstellung von Kostenvoranschlägen motivieren, da sie so auch ihre Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis stellen können.

Hinsichtlich der Individualität der Bestattung ist anzumerken, dass die Durchführung einer Bestattung selbstverständlich immer die Gesamtheit vieler einzelner Tätigkeiten ist. Diese Tätigkeiten sind aber für jede Bestattung identisch, nur die Zusammensetzung und die Gewichtung der Leistungen ändern sich von Todesfall zu Todesfall. Dementsprechend sind auch die Einzelleistungen bepreisbar. Es sollte nicht vergessen werden, dass ein Bestatter ein Handwerker und Dienstleister ist. Der Bestatter weiß im Zweifel am besten, welchen Preis er für einen Sarg kalkuliert hat, welchen Preis die Vorbereitung des Verstorbenen bei ihm hat, wie lange ein durchschnittlicher Aufenthalt für ihn bei der Stadtverwaltung dauert, oder welche Gebühren für Grabstelle, Totenschein, Sterbeurkunden oder Kremation erhoben werden. Die Erstellung eines Kostenvoranschlags sollte daher direkt im Anschluss an ein Beratungsgespräch möglich sein. Dank der modernen Kommunikationsmittel sollte der Kostenvoranschlag spätestens nach einigen Stunden beim Kunden sein, damit dieser weitere Vergleiche anstellen kann.

Die Verbände und Innungen des Bestattungsgewerbes sind daher aufgerufen, für ihre Mitglieder entsprechende Standards zu verabschieden, die einen verbindlichen und detaillierten Kostenvoranschlag zur Pflicht machen.