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Bundesgerichtshof: Entnahme von Zahngold aus Totenasche als Störung der Totenruhe

Sämtliche nach der Einäscherung verbleibende Rückstände seien Teil der Asche | 24.07.2015 |
In dem zugrundeliegenden Fall hatten mehrere Krematoriumsmitarbeiter in Hamburg Zahngold aus den Kremationsrückständen entwendet. Es wurde über verschiedene Instanzen unter anderem darüber gestritten, ob diese Entwendung eine Störung der Totenruhe nach § 168 StGB darstellt.

Der Bundesgerichtshof stellte nun abschließend fest:
"Zur 'Asche' im Sinne des § 168 Abs. 1 StGB gehören sämtliche nach der Einäscherung verbleibende Rückstände, d.h. auch die vormals mit einem Körper fest verbundenen, nicht verbrennbaren Bestandteile."

Er sieht die Totenasche als ebenso schutzwürdig wie den Leichnam an. Schon das Reichsgericht habe klargestellt, dass mit der grundsätzlichen Gleichstellung von Feuer- und Erdbestattung durch das Feuerbestattungsgesetz von 1934 einer unterschiedlichen Behandlung der Asche und des Leichnams der Boden entzogen worden sei und beide denselben Anspruch auf pietätvolle Behandlung und Wahrung der Totenruhe genössen. Dieser Grundsatz gelte fort. Wie der Körper des verstorbenen Menschen seien daher auch seine Verbrennungsreste in ihrer Gesamtheit zu schützen.

Kritik:
Natürlich muss zumindest die ohne Willen der Angehörigen bzw. Erben erfolgte Entnahme von Zahngold strafbar sein. Den Gedanken des Bundesgerichtshofs zu Ende gedacht müssten aber auch die künstlichen Gelenke und sonstige Metallimplantate mit der Urne beigesetzt werden, was aber kaum praktikabel ist und eventuell sogar umweltschädlich sein könnte. Die ebenfalls vom Bundesgerichtshof in der Begründung aufgenommene These, es bestehe ein erhebliches Interesse an der Feststellung der Identität, Vollständigkeit und Ausschließlichkeit der Asche, widerspricht der Praxis. Denn niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass tatsächlich seine komplette Asche und nur seine eigene Asche in der Urne landet. Dazu gibt es in Kremationsöfen zu viele Stellen, an denen - wenn auch recht kleine - Ascherückstände verbleiben, die mit anderen Totenaschen vermischt werden.

Angesichts der nun zu berücksichtigenden Rechtsprechung des BGH sollten die Krematoriumsbetreiber aber sicherheitshalber neben Zahngold auch für die Verwertung von künstlichen Gelenken etc. eine Einwilligung einholen, um eine Strafbarkeit zu vermeiden. Hierbei besteht allerdings die Schwierigkeit, dass rechtlich umstritten ist, ob die Erben oder die nächsten Angehörigen verfügungsbefugt sind.