Kolumne:  Beisetzung ohne Sarg? (11.04.2019)

Liebe Leserinnen und Leser,

in Bayern wird derzeit über die Beibehaltung des Sargzwangs diskutiert. Die Chancen auf eine Abschaffung scheinen gut zu stehen. Damit wären Sachsen und Sachsen-Anhalt die einzigen Bundesländer, die noch auf eine ausnahmslose Sargpflicht bei der Beisetzung im Grab bestehen. Alle anderen Bundesländer lassen Ausnahmen zu, insbesondere aus religiösen Gründen, was vielen Muslimen entgegenkommt, die sich wegen ihres Glaubens eine Beisetzung im Tuch wünschen.

Die Verwendung eines Sarges stellt hierzulande sicherlich eine gewachsene Tradition dar. Doch Traditionen ändern sich, verlieren an Bedeutung oder entwickeln sich gar neu. Dies gilt insbesondere auch für das Bestattungswesen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch in Deutschland in manchen Gebieten noch bis ins 19. Jahrhundert eine sarglose Bestattung üblich war.

Es stellt sich darüber hinaus die Frage, wem es schadet, wenn manche Verstorbene nicht im Sarg beigesetzt werden. Die Mehrheit kann ja weiterhin ihre bekannten Rituale pflegen. Und für den Transport Verstorbener sind aus hygienischen Gründen ohnehin geeignete Materialien vorgeschrieben, besteht also de facto weiterhin eine Sargpflicht. Die Sorge, ein Leichnam könnte ohne Sarg grundsätzlich schlechter verwesen, ist übrigens unbegründet. Hier ist die örtliche Bodenbeschaffenheit entscheidend.

Im Grunde spricht nichts dagegen, den Sargzwang für alle Bürger abzuschaffen - unter Berücksichtigung der Wünsche des Verstorbenen. Unwürdig wäre eine letzte Ruhe ohne Sarg nicht, jedenfalls dann nicht, wenn die verstorbene Person sich dies zu Lebzeiten so gewünscht hatte.



Meine Meinung. Und was meinen Sie?
Teilen Sie uns auch gerne Ihre persönlichen Erfahrungen mit (E-Mail an: info@aeternitas.de).

Es grüßt Sie, Ihr


Christoph Keldenich

Sollte es grundsätzlich erlaubt sein, Verstorbene auch ohne Sarg beizusetzen?:
 ja   65%  nein   35%

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