Kolumne:  Bestattungsgesetze und Bürgerwille? (19.12.2019)

Liebe Leserinnen und Leser,

Bestattungskultur wandelt sich, in den letzten Jahren erleben wir massive Veränderungen. Immer mehr Menschen sehen ihre Bedürfnisse zu Abschied und Trauer in den traditionellen Bestattungsritualen und Grabstätten nicht mehr erfüllt. Zunehmend infrage gestellt werden unter anderem die Pflicht zur Beisetzung auf einem Friedhof, die Unteilbarkeit der Totenasche oder die strenge Reglementierung für die Umbettung sterblicher Überreste. Dieses Bild bestätigen auch verschiedene repräsentative Umfragen.

Bemerkenswert ist jedoch, dass die Bestattungsgesetze der Bundesländer auf die veränderten Wünsche und Bedürfnisse vieler Menschen nicht eingehen und dass die gewandelten Einstellungen der Mehrheit keine Berücksichtigung finden. Ausnahme ist hier nur Bremen, das zumindest die Aschebeisetzung auf Privatgrundstücken bzw. öffentlichen Flächen ohne großen bürokratischen Aufwand ermöglicht.

In den letzten Jahren wurden in einigen Bundesländern die jeweiligen Bestattungsgesetze überarbeitet. Aeternitas war meist mit Stellungnahmen an der Gesetzgebung beteiligt und konnte umfassende Einblicke gewinnen in die ersten Entwürfe, die weitere Diskussion und die am Ende umgesetzten Entscheidungen. Eklatant war, wie sich traditionelle Denkweisen und zahllose Bedenken am Ende stets durchsetzten. Die zuständigen Politiker ließen sich - in der Mehrzahl zumindest - immer wieder von überholten Pietätsvorstellungen und einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber der Autonomie der Trauernden leiten. Zu unterschätzen war sicherlich auch nicht der Einfluss der Lobbys derjenigen, die ökonomisch davon profitieren, wenn sich am bestehenden Bestattungswesen möglichst wenig ändert.

An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass sich die hier beschriebene Problematik ebenso bei den kommunalen und kirchlichen Friedhofssatzungen zeigt. Einschränkungen und Verbote zum Beispiel bei Trauerfeiern oder bei der Grabgestaltung schrecken viele Menschen - leider - ab.

In der Praxis zeigt sich, dass viele Trauernden hiesige Gesetze umgehen, indem sie den Umweg über das Ausland wählen oder unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit ihre Wünsche umsetzen. Doch soll das die Lösung sein? Ziviler Ungehorsam? Bestattungsgesetze sind nicht per se überflüssig, sondern bilden den wichtigen rechtlichen Rahmen für die Bestattung eines Menschen. Allerdings sollten diese Gesetze veränderte Einstellungen und Bedürfnisse widerspiegeln. Dies ist derzeit leider nicht gegeben.


Meine Meinung. Und was meinen Sie?
Teilen Sie uns auch gerne Ihre persönlichen Erfahrungen mit (E-Mail an: info@aeternitas.de).

Es grüßt Sie, Ihr


Christoph Keldenich

Berücksichtigen die Bestattungsgesetze ausreichend den Willen der Bürger?:
 ja   51%  nein   49%

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