Ein letzter Tauchgang

Eine spezielle Form der Beisetzung für passionierte Taucher

Den folgenden Text hat uns freundlicherweise "eternity - das Magazin für die Bestattungsbranche" zur Verfügung gestellt. Er ist in der aktuellen Ausgabe des Heftes (Juni 2026) erschienen, Autorin ist Andrea Lorenzen-Maertin.

Tauchen – bei dem Wort fallen uns die faszinierenden Unterwasserwelten ein. Korallenriffe, Fischschwärme, wogende Seegraswiesen und die Sonnenstrahlen, die sich im klaren blauen Wasser brechen. Auch das Tauchen in Binnengewässern ist spannend und bietet völlig andere Unterwasserabenteuer, an die jedoch nur wenige denken. So gibt es versunkene Wälder, Schilfgürtel und Felsformationen zu entdecken. In vielen Binnenseen liegen verborgene Relikte wie Schiffswracks, Flugzeuge oder historische Artefakte, die archäologisch interessierte Taucher anziehen. Von den vielen heimischen Fischen und Krebsen, die es zu beobachten gilt, mal ganz abgesehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass passionierte Taucher einen Wunsch verspüren – einen besonderen letzten Tauchgang, ihre Tauchbestattung.

Gerade wer die Schönheit der heimischen Binnenseen unter Wasser bereits erlebt hat, kann sich diese einzigartige Form der Naturbestattung für sich selbst oft gut vorstellen. Und die außergewöhnlichste Form der Urnenbeisetzung ist hier wohl die Tauchbestattung, die nicht nur weltweit in Meeren vorgenommen wird, sondern auch in europäischen Binnenseen möglich ist. In einer speziellen, sich auflösenden Urne wird die Asche des Verstorbenen auf dem Grund eines Gewässers beigesetzt. Auch flussbestattungen.de bieten diesen Service der Tauchbestattungen an. Geschäftsführer und Kopf hinter Flussbestattungen ist der Wuppertaler Bestatter Arne Zocher. Eternity sprach mit ihm über diese ungewöhnliche Beisetzungsart.

Grundsätzlich ist der Wunsch nach einer Tauchbestattung eher eine Seltenheit. Doch er kommt vor. Und wer diesen Wunsch äußert, hat in Arne Zocher einen versierten Ansprechpartner. „Es wird tatsächlich eher selten nachgefragt, wenngleich durchaus Interesse bei den Sporttauchern besteht.“ Da eine Tauchbestattung der Paradiesvogel unter den Bestattungsarten ist, hört man hierzulande seltener davon. Im Ausland finden sie dagegen häufiger statt, aufgrund anderer Gesetze und Tauch-Communities.

„Eine Tauchbestattung kann praktisch überall durchgeführt werden, so es das jeweilige Land zulässt. Bei uns herrscht nach wie vor die Friedhofspflicht, daher finden unsere Tauchbestattungen in den Niederlanden statt, und zwar in den Seen der Maas. Wir selbst haben in Roermond das entsprechende Schiff liegen. Das bedeutet, dass dieses Schiff einen Ein- und Ausstieg für Taucher hat und eine Möglichkeit bietet, sich umzuziehen“, erläutert Arne Zocher.

Ein so genannter gruppenführberechtigter Tauchlehrer steht ebenso zur Verfügung wie die Flaschen mit der Atemluft. Flossen, Anzüge, Masken, individuelle Gewichte, Tauchmesser und Atemgeräte sind allerdings selbst mitzubringen, jedoch bei Tauchern in der Regel vorhanden. Und nur Angehörige mit Taucherfahrung können und wollen auch diesem besonderen letzten Tauchgang beiwohnen. Wenn alles bereit ist, kann es mit drei bis vier Personen auch schon losgehen. „Je nach Sicht geht es hier in eine Tauchtiefe von fünf bis zehn Metern. Die Urne wird mit hinuntergenommen. Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Urne oder die Asche dem Wasser zu übergeben, darüber entscheidet die Familie.“

Arne Zocher erklärt: „So kann die Urne auf dem Grund des Sees abgesetzt werden. Es ist aber auch möglich, die Asche unten aus der Urne herausfließen zu lassen, oder aber man entscheidet sich dafür, während des Heruntergehens bereits die Urne zu öffnen und im Freiwasser die Asche ausfließen zu lassen, so dass sie eins wird mit dem fließenden Wasser.“ Der Tauchgang selbst dauert nur etwa 15 Minuten, doch zur Erinnerung an diesen besonderen Moment wird unter Wasser zudem ein Video gedreht. Je nach Wunsch der Angehörigen kann vor dem Tauchgang ebenfalls eine kurze Gedenkzeremonie abgehalten werden, vielleicht mit etwas Musik. Genauso ist es aber auch möglich, nur die Tauchbestattung durchzuführen, ganz ohne zeremoniellen Rahmen. „Das ist eine völlig individuelle Entscheidung.“

Auch bei Fluss- und Tauchbestattungen gibt es Möglichkeiten, noch einmal die besondere Nähe zu spüren. Ganz privat und individuell vom Ufer aus. Oder per gemeinsamer Schifffahrt, um den Verstorbenen zu gedenken oder sich auszutauschen. Arne Zocher bietet einmal pro Jahr diese Möglichkeit, auch weiterhin einen Ort zu besuchen, um dem Verstorbenen gefühlt etwas näher zu sein.

„Wir schreiben jedes Jahr die Familien an, die eine Tauchoder Flussbestattung hatten. Vor Corona waren es etwa 175 Leute, so dass wir sogar zwei Fahrten gemacht haben. Danach pendelten sich die Zahlen auf 80 bis 100 Personen ein.“ Ein Angebot, das sehr gerne angenommen wird, um den Tag des Abschieds noch einmal Revue passieren zu lassen und die Menschen an Bord in ihrem Gedenken zusammenbringt.